Revolte
«Ich habe oft davon gesprochen, dass in meinem Körper eine ältere Schwester von mir lebt. Wenn ich aufzustehen versuche, hockt sie sich hin. Wenn ich hocke, dann steht sie. Wenn ich mich mit meinem Tanz beschäftige, isst sie die Finsternis in meinem Körper auf. Wenn sie hinfällt, bedeutet das viel mehr, als dass ich einfach stünde. Sie ist meine Lehrerin geworden. Ja, die Toten sind meine Lehrer. Man muss die Toten achten und schätzen. Früher oder später werden auch wir gerufen. Wir müssen die Toten in unsere Nähe holen und mit ihnen zusammenleben.
Heutzutage wird nur das Licht geschätzt. Aber wem verdankt das Licht sein Dasein? Dem Rücken der Finsternis, denn er trägt das Licht.» Diese Sätze fielen im Rahmen eines Vortrags von Tatsumi Hijikata am 9. Februar 1985, nur wenige Monate vor seinem Tod. Der japanische Originaltitel lautet, ins Deutsche übersetzt: «Das Sammeln geschwächter Körper», zitiert nach Michael Haerdters und Sumie Kawais Sammelband «Die Rebellion des Körpers. Butoh. Ein Tanz aus Japan» (1986/1998). Der im ländlichen Norden Japans 1928 geborene Tatsumi Hijikata ist eine der einflussreichsten Künstlerpersönlichkeiten der japanischen Avantgarde und gemeinsam mit ...
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Tanz Jahrbuch 2025
Rubrik: Balance, Seite 106
von Johannes Odenthal
Als ich im November 2018 meine Arbeit als Intendantin in Wuppertal aufnahm, waren bereits drei Intendanzen nach Pina Bauschs Tod 2009 zu Ende gegangen. Eine davon gab bald auf, eine endete nach kurzer Zeit nicht freiwillig. Pina Bauschs künstlerisches Erbe, das einen Meilenstein in der Tanzgeschichte weltweit markiert, war national und international dennoch...
Sehr viele Menschen haben sich auch ins Jahr 2025 von einem Strauss-Walzer hineintragen lassen. Oder sie haben ihren Kater mit dem diesmal besonders beschwingten-melancholischen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker unter Leitung von Riccardo Muti vertrieben, wo anlässlich des 200. Strauss-Geburtstags – am 25. Oktober ist es soweit, aber das ganze Jahr wird...
Johanna Bormann hat zwei Arbeitsplätze. Der eine ist bequem zu erreichen, es ist ihr Zuhause: Homeoffice in Berlin und München. Und der andere ist auf dem Parkett – wahlweise im Opernhaus, im Theater, im Museum. Ich kann sie mir gut vorstellen beim People‘s Business. Elegant gekleidet, wach, gut gelaunt und informiert, pflegt sie vor und nach einer Aufführung,...
