REGINALDO OLIVEIRA «LILI, THE DANISH GIRL»
Die schlimmen Ärzte um den stählernen OP-Tisch lachen laut. «Ha, Ha, Ha!» Huch – soll man jetzt erschrecken bei dieser albernen Geisterbahn-Nummer? In der ersten OP-Szene gehen ignorante Mediziner mit theatraler Emphase zu Werke. Beim zweiten Anlauf hat der Patient, der danach eine Patientin sein wird, mehr Glück, liegt bei einem verständigen Vertreter einer weithin zynischen Zunft unterm Messer.
Darum geht es in «Lili, the Danish Girl», einem Ballett, das auf einem historischen Fall beruht: Der Däne Einar Mogens Andreas Wegener, geboren 1882, steht seiner Frau Gerda, einer Künstlerin, in Frauenkleidern Modell. Mit der Zeit findet er zu seiner gefühlsmäßig wahren Identität als Frau und lässt sich körperlich entsprechend anpassen.
Menschen im «falschen» Körper hat es schon immer gegeben. Aktuell ist das Thema als Ballett vor bürgerlichem Publikum im Salzburger Landestheater angekommen, dramaturgisch wie auch choreografisch sattsam weichgespült und deshalb ganz leicht verdaulich. Denn das Thema, das sich Reginaldo Oliveira, brasilianischer Ballettchef am Hause, vorgenommen hat, passt natürlich blendend zur auch kulturell eingeforderten Diversität. An sich stellt Reginaldo Oliveira ...
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Tanz Mai 2022
Rubrik: Kalender, Seite 47
von Eva-Elisabeth Fischer
Dieses Mal war natürlich alles ganz anders als im Mai 2015, als das dem Bayerischen Staatsballett assoziierte Bayerische Junior Ballett München (BJBM) erstmals sehr erfolgreich in Israel gastierte. Die Juniorkompanie, gegründet im Jahr 2010 noch unter Konstanze Vernon, dient als lehrreiche Atempause zur künstlerischen Selbstfindung zwischen Studium und Engagement...
Sie sind noch da, die sich an den Achseln kratzenden Affen, die anmutig schleichende Pantherkatze, das raufende Wolfsrudel. In der Darstellung durch menschliche Performer*innen sind die Tiere kinderleicht zu erkennen, wie man das eben erwartet von einer tänzerischen Adaption des «Dschungelbuchs». Auch Namen wie Mowgli und Baghira, Balu und Kaa haben der Choreograf...
Wer sich mit Kunst auseinandersetzt, hat mit Sicherheit schon erlebt, wie die Fiktion von der Realität überholt wird. Mehrmals. Der Schock aber ist immer wieder neu. So auch im Luzerner Theater, wo das Ensemble von Wanda Puvogel mit den Choreografen Antonio de Rosa und Mattia Russo vom spanischen Kollektiv Kor’sia sowie mit Erion Kruja «verWandlungen» auf die Bühne...
