Carolyn Carlson: «Eau»
Um ein Haar hätte dieses Stück «Le sacre de l’eau» geheißen. Das wäre ganz bestimmt des elementaren Tropfens zu viel gewesen. Jetzt heißt es einfach «Eau» (Wasser). Ehrlicher wäre gewesen, Carolyn Carlson hätte es «Water» genannt. Denn die recht pathetischen Texte über Wasser, Blut und Tränen werden auf Englisch gesprochen. Carlsons Sternzeichen ist Fische. Vom Wasser fühlt sie sich angezogen und in die Verantwortung genommen, im Geist universeller Spiritualität.
Grundlage für diese neue Arbeit mit den Tänzern ihrer Kompanie, dem CCN in Roubaix, ist das Epos «Das Wasser und die Träume» von Gaston Bachelard. Dessen Unterteilung in klare Frühlingswasser, tiefe schlafende Wasser und zerstörerisches Wasser folgt auch die Gliederung in Carlsons Choreografie. Den Kategorien Bachelards fügt sie ein Kapitel über verschmutztes Wasser hinzu. Bachelard beeindruckt. Er erweckt den Anschein, als habe er so ziemlich alles gelesen an Philosophie, Poesie und Psychoanalyse. Die Wasseroberfläche benutzt er als Spiegel, in den er eintauchen lässt, um den Grund der Seele zu erleuchten. Das auf die Bühne zu bringen, scheint unendlich schwierig zu sein, beinah noch mehr Genie zu erfordern, als ...
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