Ralf Dörnen «Brahms Requiem»
«Sie gehen daher wie ein Schemen», heißt es im Text. Schattengleich erscheinen darum Menschen, die erst in der Erinnerung wieder erkennbare Gestalt gewinnen. Diese «Geisterbeschwörung» positioniert Ralf Dörnen zunächst unter einem Podest, auf dem die Gesangssolisten, der Chor und das Philharmonische Orchester Vorpommern Platz genommen haben. Völlig in diesem Jenseits verwurzelt, erstarrt jeder Schritt. Die Hände überm Kopf, wirkt jeder Port de bras wie abgestorbenes Geäst.
«Das Gras ist verdorret und die Blume abgefallen», wird Johannes Brahms später im Deutschen Requiem den Apostel Petrus zitieren. Auch diese Todesstimmung manifestiert sich in einem Stück, das nichts Tröstlicheres weiß, als dass wir alle Teil sind eines Kreislaufs der Geschichte. «Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben», ist der Schluss überschrieben – Dörnen choreografiert dazu ein ergreifendes Wellenspiel, das die Tänzer fortträgt in die Ewigkeit.
Keine leichte Sache, ein Requiem wie das von Brahms zu stemmen. Dörnen tut es an einem vergleichsweise kleinen Haus in Greifswald, ohne auf Chor und Orchester zu verzichten – ein Kraftakt, der sich auszahlt. Das Haus ist ausverkauft, die Aufführung kann sich ...
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