Radikal eindeutig

Wie Florentina Holzinger auszog, dem Publikum mit «Tanz» und «Étude» einen Schauder über den Rücken zu jagen.

Wer eine Einladung zum – wg. Corona dieses Jahr online veranstalteten – «Theatertreffen» nach Berlin kriegt, gehört als Choreografin schon mal zur ersten Garde. Empirisch zeigt sich anhand einer Vorgänger-Auswahl, dass zwei künstlerische Entscheidungen sehr förderlich dafür sind. Erstens wählt man am bes­ten einen möglichst kurzen, prägnanten Titel – wie Pina Bausch anno 1980 mit «Arien», wie Reinhild Hoffmann 1986 mit «Föhn», wie Sa­sha­ Waltz 2000 mit «Körper», wie Meg Stuart 2002 mit «Alibi» und wie nun, 2020, Florentina Holzinger mit «Tanz».

Zweitens sollte unbedingt Gesellschaftliches mitschwingen, der Geschlechterkampf (bei Joachim Schlömer, 2000), die Angst vor Unheil (bei William Forsythe, 2006), die Hoffnung auf Integration (bei Jérôme Bel, 2013). Bei Florentina Holzinger ist’s: der Sexismus und die Zurichtung des weiblichen Körpers.

 

Träumerei in Stunts

 

Es sind nicht so viele Tanzleute, die es je zum «Theatertreffen» und damit ins Walhall des zeitgenössischen Theaters geschafft haben. Eine Jury hat sie jeweils gekürt. Wer der aktuellen Jury widersprechen will, weil Florentina Holzinger als Skandalnudel das Splattergenre bedient und zu Extrem-Piercing, Filmstunts und ...

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Tanz Juli 2020
Rubrik: Produktion, Seite 4
von Arnd Wesemann

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