Quantum Ballerina

Merritt Moore ist Physikerin, tanzt hier Balanchine, da mit Robotern und erforscht nebenbei die komplexe Welt der Lichtpartikel.

Tanz - Logo

Es gibt im Netz das Video einer amerikanischen Tänzerin. Auf Spitzenschuhen tanzt sie am Meer auf einem Wellenbrecher aus grob aufgeschütteten Steinen. Die Gischt sprüht, die glatte Sohle findet auf dem nassen Granit kaum Halt. Sie tanzt auf einem schmalen Grat vor dem unermesslichen Meer und wirkt sehr verletzlich. In diese Lage, das gibt sie gerne zu, hat die Tanzende, Merritt Moore, sich selbst gebracht.

Ihre Zukunft, sagt sie, erkennt sie vor allem im Angesicht der unendlich weiten und zugleich unendlich atomaren Welt, in allem, was dem gewöhnlichen menschlichen Auge und Körper verborgen bleibt. Dr. Merritt Moore ist Quantenphysikerin. Und sie ist, ebenfalls im Hauptberuf, Balletttänzerin. Zu ihrem Repertoire zählen «Der Nussknacker», «Schwanensee» und «La Bayadère». Zuletzt am Norwegischen Nationalballett tanzte sie in George Balanchines «Symphony in C». Ihre Meriten erwarb sie sich zuvor am Ballett Zürich und anderen bedeutenden Kompanien wie dem Boston Ballet und dem English National Ballet.

Nun kann man natürlich sagen: Die 33-Jährige wird allmählich an ein Ende ihrer Karriere im Tanz kommen. Sie ist keine weltberühmte Ballerina geworden, und von irgendetwas muss sie in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2021
Rubrik: Menschen, Seite 21
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Servus, kleiner Jakob

Seinen ersten Spagat macht Jakob Feyferlik auf der Wickelkommode – allerdings nicht ganz freiwillig. Schwester Viktoria, die dem kleinen Bruder mit Begeisterung die Windeln wechselt und eine Ballettausbildung am Wiener Konservatorium begonnen hat, dehnt die beweglichen Baby-Beine nach allen Regeln des klassisch-akademischen Kanons. Später begleitet der Junge die...

Hlín Hjálmarsdóttir «Riptide»

Wie ein Fanal hängen die Trümmer einer explodierten Welt über der Szene: Das apokalyptische Bühnenbild von Martin Bergström prägt «Riptide», eine als Film entstandene Uraufführung der bis dato relativ unbekannten Isländerin Hlín Hjálmarsdóttir. Frei und fließend, gar nicht mit der grotesken und erdgebundenen Tönung vieler nordischen Choreografen, zeigt sie in einer...

Shift - ctrl - enter

Wollte man mitten im Zwischenhoch zwischen den unabsehbaren pandemischen Wellen auch mal eine positive Bilanz ziehen, fiele einem zumindest der veränderte Umgang mit digitalen Medien ein. Die Scheu vor dieser Technik ging verloren. Man staunte, «wie beschämend einfach sie funktioniert. Wenn sie denn funktioniert», schrieb kürzlich Gesine Schwan, Mitglied der...