Pure Präsenz
«Movement activity, pure and simple» – nichts könnte die kurzen, Mitte der 1970er- Jahre entstandenen Stücke der Choreografin Lucinda Childs besser beschreiben, die 2020, also nicht ganz fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung, vom Ü-40-Ensemble Dance On (S. 26) zu einem Abend unter dem Titel «Works in Silence» zusammengefasst wurden. Das Bewegungsmaterial, das Childs hier verarbeitet hat – Gehen, Laufen, kleine Sprünge, Drehungen sowie kurze Boden- und Galoppsequenzen – ist nur scheinbar simpel.
Durch plötzliche Richtungswechsel im Raum und feinste rhythmische Phasenverschiebungen entwickeln sich die Choreografien der unterschiedlich langen Stücke zu komplexen Bewegungsabläufen. Konzentration und Leichtigkeit lassen sich hier hervorragend kombinieren: Es gibt nichts, hinter dem sich die Tänzer*innen verstecken könnten. Verlangt wird die pure Präsenz der Ausführenden oder eben, wie Lucinda Childs es in einem Interview sagt, eine Bewegungsaktivität, die zugleich lustvoll und forschend ist.
Dass Ty Boomershine, der kluge künstlerische Leiter von Dance On, sich um die Einstudierung dieser selten getanzten Werke erfolgreich bemüht hat, ist ein ganz großer Verdienst. Nicht nur für die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2021
Rubrik: Menschen, Seite 25
von Elisabeth Nehring
Xenia Wiest, was ist aus Ihrer Sicht wichtig daran, dass Sie ein Revirement vornehmen können?
Als neue Ballettdirektorin am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin habe ich von der neuen Theaterleitung den Auftrag erhalten, die Sparte künstlerisch neu auszurichten. Das klassische Ballett soll gestärkt werden und modern ins 21. Jahrhundert weisen. Dafür stehe...
Wir sind uns noch nie persönlich begegnet. Gesehen und gehört haben wir uns eine Stunde lang, Mitte Dezember 2020 im iPad-Rechteck. Elisabeth Schwartz gab den Blick frei auf ihr Pariser Wohnzimmer, ich die Ansicht meiner Straße in Berlin – keine Bücherwände im Hintergrund. Wir unterhielten uns just an dem Tag, an dem sie im Festspielhaus Hellerau hätte auftreten...
Die Kreaturen sind ungestüme Hüllen, farbenprächtige Geister, humanoide Gummihandschuhe. Sie bewegen sich wild, winden sich ineinander, verlieren plötzlich die Form, liegen flach auf dem Boden. Mike Pelletier, Kanadier und Digital Artist in Amsterdam, erklärt seine «Constraint Iterations», eine Serie von vier enigmatischen Videos folgendermaßen: «Die Figur ist im...
