Pure Noblesse

Olga Esina trägt viele Königskronen, jedenfalls beim Wiener Staatsballett. Dort hat die Erste Solistin ihr Glück gefunden, beruflich und privat

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Es klopft an die Scheibe der Fahrertür. Olga Esina blickt zur Seite. Es ist ein Wiener Polizist. «Entschuldigung, bitte warten Sie einen Moment», sagt sie zu der Journalistin und steigt aus. Zum Video-Gespräch hat sie es sich mit dem Notebook in ihrem Auto eingerichtet. Kurz darauf gleitet die 36-Jährige wieder auf den Fahrersitz und lacht verschmitzt wie ein Teenager, der einer Freundin von einer Dummheit erzählt. «Ich habe vergessen, einen Parkschein zu lösen», erklärt sie die Unterbrechung und erledigt das Problem flink am Handy.

Eine Ordnungswidrigkeit! Für eine Frau, die sich seit ihrem zehnten Lebensjahr in größter Selbstdisziplin übt, eine ungewöhnliche Nachlässigkeit.

Olga Esina zählt zu den aufregendsten Primaballerinen Europas. Die Unnahbarkeit, die die Erste Solistin des Wiener Staatsballetts auf der Bühne umgibt, weicht im richtigen Leben großer Ernsthaftigkeit. Und einer überraschenden Emotionalität: Lachen, Begeisterung, Sorge, Traurigkeit lässt sie durchaus zu, aber nur kurz, um dann schnell wieder in die Konzentration zurückzufinden. Die ebenmäßige Schönheit der Sankt Petersburgerin ist allerdings, wie die digitale Begegnung offenbart, definitiv nicht das Ergebnis ...

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Tanz 4 2023
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Bettina Trouwborst

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