Prinzip Hoffnung

Covid-19 hat Großbritanniens Kulturlandschaft verwüstet. Mit unabsehbaren Folgen. Vom zaghaften Neubeginn mit vielen Fragezeichen.

In den sozialen Medien reichen britische Künstler seit Monaten in ungläubig-sehnsüchtigem Staunen folgende Zahlen herum: 600 Millionen Euro investiert Berlin pro Jahr in die Kulturlandschaft. Der Arts Council stemmt in etwa dieselbe Summe – nur muss sie für ganz England reichen. Das Beispiel illustriert, in welchem Maß die Kompanien und Spielorte auf der Insel auf Ticketverkäufe, Fundraising, Vermietungen etc. angewiesen sind.

Drei Beispiele aus den letzten Bilanzen (2017/18): Das Royal Opera House, Sitz des Royal Ballet, bringt 75 Prozent seines Budgets selbst auf, 33 Prozent davon kommen von den Theaterkassen. 62 Prozent trägt das English National Ballet zusammen – fast alles über Eintrittskarten. Das Tanzhaus Sadler’s Wells in London, herausragender Koproduktionspartner für viele nationale und kontinentaleuropäische Kompanien, ist gar zu 91 Prozent Selbstversorger, wobei 70 Prozent der Einkünfte aus dem Ticketverkauf stammen. Eigentlich ist man hier auch sehr stolz auf die Fähigkeit, a) große Summen selbst aufzubringen, b) mit kleinen Budgets international Wettbewerbsfähiges zu produzieren. Aber Corona droht den Sektor zu verkrüppeln. Die Zahlen des Office for National ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2020
Rubrik: Kooperationen, Seite 50
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
In Helsinki: Affentheater

Eine deutsche Tanzproduzentin übernimmt das Festival «Moving in November» in Helsinki: Kerstin Schroth, zuletzt Managerin der Choreografin Mette Ingvartsen. Eingeladen hat sie «Consul und Meshie» von Antonia Baehr und Latifa Laâbissi, entstanden bereits 2018. Die beiden Damen hocken als ihre ­eigenen Urahnen dreieinhalb Stunden lang auf einer opulenten...

Gute Frage

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da hieß die Losung: Tod dem Genie! Das Wunderkind, das in einer schützenden Blase zu Weltruhm gelangt: alles nur ein Märchen. Wahre Kunst setzt zwar Talent voraus, aber sie benötigt noch etwas anderes: kooperatives Verhalten. Kein Genie vermag gegenüber all den Moden und wechselnden Anforderungen allein zu bestehen. Schon in...

Highlights 11/20

Wuppertal: Rekonstruktion – das Stück mit dem Schiff

Geschlagene 24 Jahre hat «Das Stück mit dem Schiff» im Nachlass von Pina Bausch vor Anker gelegen. Zuletzt wurde es im japanischen Saitama gezeigt, bloße drei Jahre nach seiner Wuppertaler Uraufführung (1993). Nun läuft es – zum Auftakt der Veranstaltungsreihe «Pina Bausch Zentrum under construction» – in der...