In Helsinki: Affentheater

Tanz - Logo

Eine deutsche Tanzproduzentin übernimmt das Festival «Moving in November» in Helsinki: Kerstin Schroth, zuletzt Managerin der Choreografin Mette Ingvartsen. Eingeladen hat sie «Consul und Meshie» von Antonia Baehr und Latifa Laâbissi, entstanden bereits 2018. Die beiden Damen hocken als ihre ­eigenen Urahnen dreieinhalb Stunden lang auf einer opulenten Bettenlandschaft der Künstlerin Nadia Lauro. Aufrechter Gang geht nicht. Bei ­jedem Geräusch zuckt der Kopf hoch.

Aber die gutbürgerlichen Tugenden des Kartenspiels (Memory mit französischen Philosophen) lernen sie schon, die des ­Stickens und des korrekt geschlungenen Kolonialknotens (per YouTube-Tutorial). Natürlich sind sie keine Affen. Aber sind Affen nicht auch Menschen? 1939 kaufte ein Kurator für vergleichende Anatomie des American Museum of Natural History in New York die Affendame Meshie, einen Albino, und «befreite» sie damit aus dem «schwarzen Afrika». Ihr Artgenosse Consul hingegen fristete sein Dasein in der Animal Arena des US-Impresarios Frank Bostock, wo er als «intelligenter Affe» einen Menschen spielte. Baehr und Laâbissi sind zwei Frauen, die Tiere spielen. Barbusig singen sie hinter eindrucksvollen Vollbärten: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2020
Rubrik: Side Step, Seite 14
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Amsterdam on tour: Lisbeth Gruwez «Piano works Debussy»

Ungewöhnlich ist Lisbeth Gruwez’ Tanzkunst schon immer gewesen. Seit ihrer ersten Choreografie, dem Solo «Forever Overhead» (2008), kennzeichnet ein Mix aus Explosivität und Risikofreude ihre Arbeiten. Längst hat sie sich aus dem künstlerischen Einflussbereich Jan Fabres herausgetanzt und ihre eigene Stimme gefunden. Mit den Jahren ist es ihr gelungen, ihre...

Mit Kompass

Sebastian Weber, es gibt nicht so viele überregional tanzende Kompanien aus Sachsen, erst recht nicht mit eigenem ­Ensemble. Was ist wichtig daran? Am Anfang gab’s nicht so sehr die Idee, ein neues Ensemble aufzubauen.­ Ich wollte meine choreografischen Methoden – eigentlich den Stepptanz – neu erfinden. Aber der gemeinsame Prozess beflügelt. Wir haben alles...

CD, DVD, Buch 11/20

CD des Monats: Tausendundeine Nacht

Michelle Kwan wird schon wissen, warum sie für ihr Skating-Programm «Taj Mahal» Musik von Fikret Amirov (1922 – 1984) verwendet hat: Die lässt niemanden kalt, und das kann auch beim Eiskunstlauf nicht schaden. «Tausendundeine Nacht» hat der Aserbaidschane 1979 natürlich nicht auf die Kufen der mehrfachen Weltmeisterin komponiert,...