Präsenz

Digital Liveness: Wieso wir umdenken müssen.

Die Forderung, dass sich Theater dem digitalen Wandel in der Gesellschaft stellen muss – und zwar sowohl inhaltlich mit den Mitteln der Kunst als auch in der Anpassung der eigenen Produktionsprozesse – ist nicht neu. Die eigene Sichtbarkeit im Digitalen und damit einhergehende neue Praktiken der Inszenierung und Rezeption für digitale Bühnen – das hat vor 2020 allerdings eine eher punktuelle Rolle im Aufführungsgeschehen deutschsprachiger Theater gespielt.

Erst die Lockdowns haben mit Wucht vorgeführt, was passiert, wenn man Theatern die physischen Bühnenräume nimmt – eine ganze Kunstform ist über Nacht verstummt. Dass dann furchtlos und mit Mut zum Ausprobieren und Scheitern und Weiterprobieren und Lernen der digitale Raum ebenfalls quasi über Nacht entdeckt und bespielt wurde, zeugt von der Resilienz unserer Kunst.

Wir haben endlich mit der leidigen Kontra-Debatte aufgeräumt und uns selber bewiesen, dass es keinen Gegensatz und Widerspruch zwischen dem Analogen und dem Digitalen geben muss – nur unterschiedliche Arten, mit verschiedenen Bühnen umzugehen. Natürlich ist ein Stream etwas anderes als ein Schauspiel auf der Guckkastenbühne –, aber eine große Oper mit Orchester, Chor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 104
von Tina Lorenz

Weitere Beiträge
Dieter Heitkamp

Die Corona-Pandemie war ohne Zweifel eine Herausforderung, und wie so oft ist eine Krise auch die Chance für Weiterentwicklung und Veränderung. Neue Vermittlungsformate wie Moodle wurden eingerichtet, es kam vermehrt zu Kleingruppenarbeit, Online-Klassen via Zoom wurden zum Alltag. Sinnvolle Aufgaben zu stellen, damit Studierende nicht Stunde um Stunde vor dem...

Lea Moro

Ich erinnere mich an Januar 2020. Ich lag in einem Hotelbett und las die Nachrichten über ein Virus.

Ich erinnere mich an März 2020. Es war die vierte Probewoche von «All Our Eyes Believe», meinem ersten Stück für junges Publikum, und mir wurde bewusst, dass nichts mehr wie davor, nichts wie geplant sein würde. Im Wissen, dass so manches anders als intendiert kommt...

Stille

«Wenn ich einen Tanz oder irgendeine Art von Werk plane, kann ich das nicht umsetzen, bevor ich den Raum verstanden habe», sagt Maria Hassabi, die in Athen ebenso zu Hause ist wie in New York. Die 48-jährige, auf Zypern geborene Choreografin und Künstlerin ist eine Spezialistin für die Raumzeit-Verhältnisse der menschlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne brauchen Zeit:...