Platzen vor Wut
Merce Cunningham hatte es schon geahnt, damals im November 2001, zwei Monate nach den Terroranschlägen auf die Twin Towers. Weil er ja immer in die Zukunft blickte, schauderte ihm gehörig, und er mutmaßte, dass sich in der Welt etwas zusammenbraut, was auch die Tanzlandschaft verändern würde. Nur wie oder was genau, das konnte auch er nicht vorhersehen. Heute sind wir schlauer. Denn aus dem Chaos entstanden zwei parallele Ketten von Ursachen und Wirkungen – die eine hieß das politische Chaos, die andere das wirtschaftliche.
Bushs Anti-Terror-Gesetze, der Irak-Krieg, Kulturkonflikte, Attentate. Dazu die verstaubte Wirtschaft in den Trümmern des World Trade Center. Für die erfanden Bush und Greenspan den zweiten Teil ihres Hexencocktails. Sie lockerten alle finanzpolitischen Zügel. Das Ergebnis war eine ungeheure Spekulationsblase, deren Zerplatzen die aktuelle Megakrise in die Welt zauberte. So schuf der Amoklauf der Washingtoner Neocons gleichzeitig geopolitische und soziale Spannungen, Budgetkrisen, Terrorangst, schwarz-weiße Karikaturen von Weltbildern, Populismus, Xenophobie, auch Misstrauen gegenüber Künstlern sowie den Zusammenbruch zahlreicher Kulturstiftungen. Wer will noch ...
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Ein hartnäckiges Vorurteil des Westens gegenüber Russland ist die Rückständigkeit des Riesenreichs hinsichtlich aller Spielarten des Zeitgenössischen, trotz Choreografen wie Sasha Pepelyaev oder Olga Pona. Russisches sei zu mythisch oder zu dadaistisch oder beides. Um den Westen, der solches denkt, zu erobern, gelangten 1994 zwei gelernte Ingenieure mit einem...
So viel Sehnsucht. So viel Hoffnung auf den «Wundermann», auf Martin Schläpfer, den toptalentierten Choreografen, der als Ballettdirektor Düsseldorf/Duisburg endlich zu überregionalem Tanzruhm verhelfen soll. Wunder hat er schon vollbracht, als er in der einstigen Tanzprovinz Mainz eine erstklassige Truppe etablierte.
Die brachte er nun mit ins neue Domizil,...
Eigentlich ist Arvo Pärt was für die «Spirituellen». Er suche nach «dem Einen», hat der Mystiker unter den Komponisten erklärt, und er wollte das Paradox: Mit Musik Stille schaffen. In seiner Komposition «Tabula rasa» hat er das Klangmaterial auf ein Minimum reduziert, die Klänge suchen das Nichts, bloße Leere. Typisch Pärt. Und auf der Bühne springen, rasen,...
