Platzen vor Wut
Merce Cunningham hatte es schon geahnt, damals im November 2001, zwei Monate nach den Terroranschlägen auf die Twin Towers. Weil er ja immer in die Zukunft blickte, schauderte ihm gehörig, und er mutmaßte, dass sich in der Welt etwas zusammenbraut, was auch die Tanzlandschaft verändern würde. Nur wie oder was genau, das konnte auch er nicht vorhersehen. Heute sind wir schlauer. Denn aus dem Chaos entstanden zwei parallele Ketten von Ursachen und Wirkungen – die eine hieß das politische Chaos, die andere das wirtschaftliche.
Bushs Anti-Terror-Gesetze, der Irak-Krieg, Kulturkonflikte, Attentate. Dazu die verstaubte Wirtschaft in den Trümmern des World Trade Center. Für die erfanden Bush und Greenspan den zweiten Teil ihres Hexencocktails. Sie lockerten alle finanzpolitischen Zügel. Das Ergebnis war eine ungeheure Spekulationsblase, deren Zerplatzen die aktuelle Megakrise in die Welt zauberte. So schuf der Amoklauf der Washingtoner Neocons gleichzeitig geopolitische und soziale Spannungen, Budgetkrisen, Terrorangst, schwarz-weiße Karikaturen von Weltbildern, Populismus, Xenophobie, auch Misstrauen gegenüber Künstlern sowie den Zusammenbruch zahlreicher Kulturstiftungen. Wer will noch ...
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«Ich will das Wort ‹alt› in diesem Raum nicht mehr hören!», ruft Horst Dittmann, einer von vier Ballett-Tänzern der Leipziger Oper, die schon lange nicht mehr tanzen. Die Choreografin Heike Hennig hatte sie 2005 auf die große Bühne zurückgeholt, ihr Stück «Zeit – tanzen seit 1927» konfrontierte Horst Dittmann, Ursula Cain, Christa Franze und Siegfried Prölß mit...
So viel Sehnsucht. So viel Hoffnung auf den «Wundermann», auf Martin Schläpfer, den toptalentierten Choreografen, der als Ballettdirektor Düsseldorf/Duisburg endlich zu überregionalem Tanzruhm verhelfen soll. Wunder hat er schon vollbracht, als er in der einstigen Tanzprovinz Mainz eine erstklassige Truppe etablierte.
Die brachte er nun mit ins neue Domizil,...
Klingt paradox: Ein Lateinamerikaner rekonstruiert deutschen Ausdruckstanz. Aber schon in seiner Ausbildung in Quito lernte der Tänzer aus Ecuador Mary Wigmans Namen kennen. Den Elementen des modernen deutschen Tanzes wollte er auf die Spur kommen, beschäftigte sich nach dem Studium bei P.A.R.T.S. in Brüssel als Residenzchoreograf am K3-Zentrum in Hamburg mit...
