Platzen vor Wut
Merce Cunningham hatte es schon geahnt, damals im November 2001, zwei Monate nach den Terroranschlägen auf die Twin Towers. Weil er ja immer in die Zukunft blickte, schauderte ihm gehörig, und er mutmaßte, dass sich in der Welt etwas zusammenbraut, was auch die Tanzlandschaft verändern würde. Nur wie oder was genau, das konnte auch er nicht vorhersehen. Heute sind wir schlauer. Denn aus dem Chaos entstanden zwei parallele Ketten von Ursachen und Wirkungen – die eine hieß das politische Chaos, die andere das wirtschaftliche.
Bushs Anti-Terror-Gesetze, der Irak-Krieg, Kulturkonflikte, Attentate. Dazu die verstaubte Wirtschaft in den Trümmern des World Trade Center. Für die erfanden Bush und Greenspan den zweiten Teil ihres Hexencocktails. Sie lockerten alle finanzpolitischen Zügel. Das Ergebnis war eine ungeheure Spekulationsblase, deren Zerplatzen die aktuelle Megakrise in die Welt zauberte. So schuf der Amoklauf der Washingtoner Neocons gleichzeitig geopolitische und soziale Spannungen, Budgetkrisen, Terrorangst, schwarz-weiße Karikaturen von Weltbildern, Populismus, Xenophobie, auch Misstrauen gegenüber Künstlern sowie den Zusammenbruch zahlreicher Kulturstiftungen. Wer will noch ...
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Das Eis der Schlittschuhbahn im Kungsträdgården im Zentrum Stockholms hat sich in eine arktische Landschaft verwandelt. Trockeneisnebel wabert über die blanke Fläche, dazwischen fließen unförmige weiße Zelte umher, die an Eisberge erinnern. Dann beginnen sie zu kalben, und weiße Wesen zwängen sich aus den Zelten. Sie entfalten ihre durchscheinenden Kostüme und...
Boris Charmatz ehrt beim Festival d’Automne in Paris den Großmeister des Tanzes, Merce Cunningham. Die Feierlichkeiten um den am 27. Juli verstorbenen amerikanischen Tanzavantgardisten reißen also nicht ab. In «50 Years of Dance» betrachtet der Leiter des Choreografischen Zentrums in Rennes das Buch «Merce Cunningham: Fifty Years» des Cunningham-Mitarbeiters David...
So sanft wurde auf der Bühne noch keine Carmen gemordet. Don José zieht ihr das schwarz-rote Schleppenkleid aus, und die untreue Geliebte schreitet in dunklem Trikot nach hinten ab, einem leise flatternden Vorhang entgegen, der sie schließlich verschluckt. Es ist der einzige poetische Moment in Cayetano Sotos Dortmunder «Carmen». Der junge Katalane will es anders...
