Pichet Klunchún

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Pichet Klunchun wundert sich, dass man leben und arbeiten kann, ohne zu glauben. Und es verstört ihn sichtlich, dass sein Gegenüber keine Traditionen braucht, ja sogar alles tut, sie als überholt erscheinen zu lassen. Der thailändische Tänzer, ein Meister des Khon, des traditionellen Maskentheaters in seiner Heimat, verkörpert den absoluten Gegensatz zu seinem Gesprächspartner Jérôme Bel. Im öffentlichen Gespräch zeitigt der Zusammenprall der Kulturen unerwartet einen Sieger nach Punkten.

Klunchun holt den französischen Choreografen, der hierzulande nicht wenigen als Guru gilt, allein durch die Kraft seines Könnens vom Sockel. Wer zehn Jahre lang täglich drei Stunden lang das richtige Aufstampfen übt, siegt bequem über den, der, allerdings weltanschaulich wasserfest, einfach nur dasteht. Der eine weiß, was er tut, der andere tut, was er weiß. Der eine ist frei durch verordnete Strenge, der andere macht sich eng durch trotzige Verweigerung.

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Tanz Jahrbuch 2005
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 99
von Eva-Elisabeth Fischer

Vergriffen
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