Der lange Weg der kurzen Schritte
Eine junge Frau geht die Straße entlang. Eigentlich tänzelt sie fast. In den Händen hält sie einen Vorschlaghammer. Die Kamera zeigt die Frau auf dem Gehweg, rechts von ihr am Straßenrand die lange Reihe geparkter Autos. Im Gehen holt sie immer wieder aus. Scheiben splittern – Pipilotti Rist inszenierte so einen wahren Scherbentanz. Noch Performance, schon Konzeptkunst, noch abgesichert durch Stichworte wie «Aktion», schon die Grenze zwischen Kunst und Tanz aufhebend.
Ein entferntes, unbewusstes und heiteres Gegenbild zu jenem letzten Ineinssetzen von Kunst, Tanz und Schauspiel, das auch Hansgünther Heyme am Stuttgarter Staatsschauspiel 1981 mit seinem Blick auf die «Phönizierinnen» gewagt hatte. Die Schauspieler nackt, agierend und getrieben auf der Bühne, den Raum durcheilend, durchmessend, herabhängende Mikrofone anschlagend, als könnten die provozierten Töne Orientierung geben. Schauspiel als Tanz, Tanz als Schauspiel, ein frontales Moment der Gesamtkunst.
Oder Kunst als Befreiung von der Bürde der Kunst? In seiner «Psychologie der Kunst» (Köln, 1992) formuliert Martin Schuster: «Die Kultur stellt den Menschen in einen Rahmen von ‹Welterklärungen›, die durch die Kunst vermittelt ...
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Vor drei Jahren hätte das niemand für möglich gehalten. William Forsythe verabschiedet sich vom Ballett Frankfurt, Sasha Waltz von der Ko-Intendanz an der Schaubühne Berlin. Beide machen sich selbstständig, gründen eigene, «freie» Kompanien – und alle sind begeistert! Hätte es die Querelen mit der Frankfurter Lokalpolitik und in Berlin intern mit der...
nein, doch, schon wieder:
William Forsythe Von vierzig internationalen Tanzkritikern hat sich knapp die Hälfte für die drei großen Ereignisse ausgesprochen, die in der Saison 2004/05 mit dem Namen William Forsythe verbunden sind:
1. Die Entscheidung, The Forsythe Company in Dresden und Frankfurt/Main zu gründen und sich damit vom festen Ballettensemble eines...
Bei arte wird ernstlich die Abschaffung des Tanzfilms diskutiert. Der Sendeplatz am Sonntagabend steht nicht nur zur Disposition, er könnte sogar ersatzlos fallen. Tanz würde aber noch vorkommen: als Jubelportrait eines «genialen Choreografen» im Rahmen des Fernsehformats «Dokumentation». Und als Bühnenabfilmung, die den dreidimensionalen Ballettabend auf die zwei...
