Petipa Pur: «Le Corsaire»

Petipa pur: Das Bayerische Staatsballett rekonstruiert «Le Corsaire» aus den Jahren 1863 bis 1899 und holt damit einen fast schon verlorenen Klassiker zurück ins Münchner Repertoire – mithilfe der Stepanov-Notate, die sich heute in der Harvard University befinden.

Tanz - Logo

Auch im Ballett ist nicht jeder der, der zu sein er vorgibt. Der «Korsar» zum Beispiel. Wer kennt nicht den Pas de deux, in den sich der Protagonist anfangs förmlich hineinkniet? Ein Prachtstück aus der Petipa-Kollektion, das bei keiner Kür eines Klassik-Concours fehlen darf. Dass das Duo eigentlich ein Trio ist, hat sich erst bei der Arbeit an der Rekonstruktion von «Le Corsaire» herausgestellt – und dass die Musik nicht von Adolphe Adam stammt, sondern von Riccardo Drigo, Julius Gerber und Boris Fitinhof-Schell. Ganz zu schweigen von der Choreografie.

Erst 1915, so hat die Musikologin Maria Babanina bei ihren Recherchen für das Bayerische Staatsballett herausgefunden, wird der Pas de deux zum ersten Mal als Pas d'action auf dem Programmzettel des Bolshoi-Theater zu St. Petersburg erwähnt – posthum sozusagen, denn zum Zeitpunkt seiner Premiere war der angebliche Autor Marius Petipa bereits fünf Jahre tot. Ein gewisser Samuil Andrianov hat ihn offensichtlich «nach Petipa» choreografiert. Möglicherweise gab ihm Jahre später erst Vakhtang Chabukiani als Interpret den Virtuositätsschliff, dessentwegen wir ihn schätzen.


Die Harvard-Papiere

Wer sich mit «Le Corsaire» beschäftigt, kommt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2007
Rubrik: Premiere, Seite 30
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Marguerite Donlon: «Romeo und Julia» in Saarbrücken

Schon ihre «Giselle: Reloaded» für das Ballett des Saarländischen Staatstheaters hat hohes Lob bekommen und der Choreografin sogar eine Nominierung für den renommierten Prix Benois de la Danse eingebracht. Donlons neuste Klassiker-Produktion knöpft qualitativ nahtlos an ihren Vorgänger an.

Die Choreografin hat Prokofjews «Romeo und Julia» intelligent verschlankt...

Lode Devos: "Leo und Zoe"

Ein kleines, unprätentiöses Stück nur, behauptet Lode Devos. Dass man das Schauspielhaus nach achtzig Minuten angeswingt verlässt, darf als der eigentliche Start des frisch formierten Chemnitzer Balletts gelten. Schlagzeilen hatte die Stadt durch den Rauswurf eines ganzen Ensembles und seines Chefchoreografen Torsten Händler gemacht. Und mit dem desaströsen Auftakt...

Amanda Miller: "Fair is Fool and Fool is Fair"

«He loves me» wiederholt Amanda Miller mit entrückter Stimme in ihrem abgewetzten, schwarzen Tutu. Und kratzt sich heftig am Körper, als wollte sie ihn mundtot machen. «Ich bin nie von einem Mann verlassen worden», bilanziert Kate Strong im abgeschnittenen, weißen Tutu. Und knetet das ihr widersprechende Fleisch. Die Auftritte der ehemaligen «Top-Tänzerinnen» im...