Anja Hempel: "Fleisch"

Frankreich

Tanz - Logo

Das Schulterstück gehört auf die Schulter, das Bauchfleisch auf den Bauch, die Lende an den Schenkel. Dieses ganz und gar nicht an Vegetarier adressierte Stück "Fleisch" drapiert das Fleischkleid aus der Metzgerei auf die blasse Haut von drei klassischen Ballerinen. Das Innere kehrt, noch blutig, nach außen. Das Steak im Schuh der Ballerina wird weich getreten, das zu manipulierende Fleisch der Tänzerin ist bedeckt mit formbarem Rindskadaver.

Das welke Fleisch und die anatomische Ordnung der Tänzerinnen trifft sich in einer Hommage an das, was der Tanz sonst nie zeigt: seine Fleischseite. Kannibalisch wird der Tanz zerstückelt, das Steak zur Marionette am Knochen oder, in einem kurzen Film von Jean-Christophe le Forestier und Cyril Bourgois: das Fleisch selbst wird zum tanzenden Akteuer. Ein Steak tanzt wie eine Marionette an Bindfäden, während ein blutiges Stück im Schuh der Tänzerin liegt ­– angeblich ein probates Mittel der Schmerzlinderung vor der Erfindung des Silikonkäppchens im Spitzentanz. Fuß und Fleisch  gesellt sich vielleicht gern, ist aber nichts für schwache Nerven.

 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 45
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Youri Vàmos: "Giselle"

Youri Vàmos hatte schon als junger Choreograf eine szenische Idee zu Adol­phe Adams "Giselle". Dann aber, bekennt der Ballettchef der Rheinoper Düsseldorf-Duisburg, habe Mats Eks Version ihn so überzeugt, dass er das Vorhaben fallen ließ. Bis heute. Und: gut so. Die Story endet bei ihm nicht in der Irrenanstalt, sondern in einem provisorischen Lazarett. Nicht das...

Constanza Macras: "I'm Not the Only One"

Es war einmal in Gelsenkirchen. Mit vierzehn wollte er diese Glowing-in-the-dark-Stiefel haben. Nur der Preis, den er fürs Coolsein zahlte, war hoch: Sich mit seinem  dicken, kleinen, spuckenden, aber spen­dablen Onkel ins Benehmen zu setzen, der so peinlich war, dass ihm diese Nachtglühstiefel gleich wieder zweitwichtig wurden. Onkel besaß nämlich einen Spucknapf...

Gala an der Deutschen Oper: "Malakhov & Friends"

«Er ist einzigartig», meint Alex Ursuliak im Souvenirprogramm. Der ehemalige Direktor der Stuttgarter John Cranko-Schule hegt keinen Zweifel: «Es gibt nicht die geringste Spur der Kopie eines anderen, und man sollte ihn auch mit niemandem vergleichen. Er ist definitiv: Vladimir Malakhov.» So feiert der Intendant des Staatsballetts Berlin sein 20-jähriges...