Anja Hempel: "Fleisch"

Frankreich

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Das Schulterstück gehört auf die Schulter, das Bauchfleisch auf den Bauch, die Lende an den Schenkel. Dieses ganz und gar nicht an Vegetarier adressierte Stück "Fleisch" drapiert das Fleischkleid aus der Metzgerei auf die blasse Haut von drei klassischen Ballerinen. Das Innere kehrt, noch blutig, nach außen. Das Steak im Schuh der Ballerina wird weich getreten, das zu manipulierende Fleisch der Tänzerin ist bedeckt mit formbarem Rindskadaver.

Das welke Fleisch und die anatomische Ordnung der Tänzerinnen trifft sich in einer Hommage an das, was der Tanz sonst nie zeigt: seine Fleischseite. Kannibalisch wird der Tanz zerstückelt, das Steak zur Marionette am Knochen oder, in einem kurzen Film von Jean-Christophe le Forestier und Cyril Bourgois: das Fleisch selbst wird zum tanzenden Akteuer. Ein Steak tanzt wie eine Marionette an Bindfäden, während ein blutiges Stück im Schuh der Tänzerin liegt ­– angeblich ein probates Mittel der Schmerzlinderung vor der Erfindung des Silikonkäppchens im Spitzentanz. Fuß und Fleisch  gesellt sich vielleicht gern, ist aber nichts für schwache Nerven.

 

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Tanz März 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 45
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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