Parkett International: Ukraine
Die aktive Zeit von Tänzer*innen ist kurz – und die ukrainische Kunstfront erleidet gerade herbe Verluste. Aufgrund des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt, sind die Tänzer*innen, Choreograf*innen und Dozent*innen von gestern heute damit beschäftigt, Spenden für Munition zu sammeln, Essen zu kochen und humanitäre Hilfe zu verteilen. Sie arbeiten als Dolmetscher*innen für internationale Medien oder auf dem Bau, wo sie helfen, Ortschaften, die während der Besetzung durch russische Truppen Zerstörungen erlitten haben, wiederaufzubauen.
Viele haben ihre Städte verlassen oder sind ins Ausland gegangen, haben die materiellen und inneren Ressourcen für ihre künstlerische Praxis verloren. Für einige haben sich die Prioritäten im Leben verändert.
Anstelle der Muskeln bildet sich nun jedoch in beschleunigtem Tempo eine Identität aus: Unter den Bedingungen des Krieges widmen viele Ukrainer*innen, unabhängig von ihrem Beruf, enorm viel Zeit dem Studium von Geschichte, Kultur und Philosophie, was sicher einen Einfluss auf Inhalt und Gehalt der Werke hat, und auf die Tiefe ihrer Wahrnehmung durch das Publikum.
Ein weiterer Faktor für eine Paradigmenverschiebung in der bis vor Kurzem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Die Saison 2021/22, Seite 162
von Polina Bulat
Merce Cunningham und John Cage nutzten Algorithmen für ihre Arbeit. In «How to Pass, Kick, Fall and Run» (1965) wird Cunninghams Choreografie durch ein Textkonzert Cages strukturiert, und welche Textpassage wann zu hören ist, bestimmen nicht die Künstler, sondern das chinesische I-Ging-Orakel, ein System aus 64 Zeichen, das Cage seit 1951 für seine Kompositionen...
Immer wenn ich diese Saison über das Ballett Zürich berichtete, ging es um außergewöhnliche Abende. Begeisternde Inszenierungen, begabte Choreografen, beeindruckende Bühnenbilder, beflügelnde Musikkonzepte, bezwingende Bilderwelten. Tänzerische Visionen mit dem Hang zum Gesamtkunstwerk. Viel gradliniger Stilwille, gemischt mit Eleganz und feiner Melancholie,...
Sprechen wir heute über Tanz, meinen wir längst nicht mehr nur das, wofür wir eine Theaterkarte kaufen. Der Tanz, der sich einst vollkommen auf die Präsenz der Körper bezog und stützte, hat es – wie wir selbst – inzwischen mit mehreren Realitäten zu tun: der physischen Wirklichkeit und der vermeintlich antagonistischen virtuellen Welt. Das digitale Quadrat wird auf...
