Parkett International: Ukraine
Die aktive Zeit von Tänzer*innen ist kurz – und die ukrainische Kunstfront erleidet gerade herbe Verluste. Aufgrund des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt, sind die Tänzer*innen, Choreograf*innen und Dozent*innen von gestern heute damit beschäftigt, Spenden für Munition zu sammeln, Essen zu kochen und humanitäre Hilfe zu verteilen. Sie arbeiten als Dolmetscher*innen für internationale Medien oder auf dem Bau, wo sie helfen, Ortschaften, die während der Besetzung durch russische Truppen Zerstörungen erlitten haben, wiederaufzubauen.
Viele haben ihre Städte verlassen oder sind ins Ausland gegangen, haben die materiellen und inneren Ressourcen für ihre künstlerische Praxis verloren. Für einige haben sich die Prioritäten im Leben verändert.
Anstelle der Muskeln bildet sich nun jedoch in beschleunigtem Tempo eine Identität aus: Unter den Bedingungen des Krieges widmen viele Ukrainer*innen, unabhängig von ihrem Beruf, enorm viel Zeit dem Studium von Geschichte, Kultur und Philosophie, was sicher einen Einfluss auf Inhalt und Gehalt der Werke hat, und auf die Tiefe ihrer Wahrnehmung durch das Publikum.
Ein weiterer Faktor für eine Paradigmenverschiebung in der bis vor Kurzem ...
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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Die Saison 2021/22, Seite 162
von Polina Bulat
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