Glanzlichter 2022: Ballett Zürich
Immer wenn ich diese Saison über das Ballett Zürich berichtete, ging es um außergewöhnliche Abende. Begeisternde Inszenierungen, begabte Choreografen, beeindruckende Bühnenbilder, beflügelnde Musikkonzepte, bezwingende Bilderwelten. Tänzerische Visionen mit dem Hang zum Gesamtkunstwerk. Viel gradliniger Stilwille, gemischt mit Eleganz und feiner Melancholie, manchmal Magie pur, wenn alles wie aus einem Guss erschien.
Aber was ist mit den Tänzerinnen und Tänzern? Wie agieren sie in diesen vielschichtigen Erzählungen? Wie tanzen sie als weißer Hirsch mit zwei Krücken an den Armen, als Trägerin eines Rabenvogels, mit dem Kopf einer Antilope auf dem Rücken oder als Ritter in scheppernder Rüstung? Wie verleihen sie den Allegorien Ausdruck, die in Christian Spucks Balletten fantastisch und stets ein wenig entrückt die Bühne bevölkern? Angesichts der einnehmenden Gesamtbilanz soll hier eine Lanze für das Ballett Zürich als kreatives Kollektiv gebrochen werden. Denn eines steht fest: Ohne die Tänzerinnen und Tänzer, ohne ihre Wandlungsfähigkeit und ihre unbedingte Hingabe, wären diese Tanzabende nicht viel mehr als perfekte Formenspiele, tönendes Erz oder klingende Schelle.
«Aus alten ...
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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Die Saison 2021/22, Seite 130
von Martina Wohlthat
«Wer bin ich, die Frage stell’ ich mir mein ganzes Leben schon. Und bis ans Lebensende wird man kaum die Antwort finden. Könnten ein paar Wörter einem wie mir die Antwort geben, hätte Gott kaum all‘ diese Schönheiten geschaffen. … Ich habe mich selbst erschaffen, um für mich selbst zu sprechen … das lächelnde Ich, und manchmal das weinende … Persona – Zum Teufel,...
Die Zukunft für ihn hat längst begonnen. Vor gut einem Jahrzehnt gab es noch den Deutschen Tanzpreis «Zukunft», und der wurde 2011 dem «Multitalent Eric Gauthier» verliehen – wie es in der Begründung hieß «für seinen bewundernswerten Mut zur Gründung und Künstlerischen Leitung einer eigenen Kompanie mit aufsehenerregenden und eigenwilligen choreografischen...
Der Mann scheint müde zu sein. Der Oberkörper auf einer recht unbequem aussehenden Bank zurückgelehnt, die Beine übereinandergeschlagen, ein Ellbogen klemmt an der Armlehne, der Kopf ist leicht nach hinten geneigt, die Augen sind geschlossen. Es scheint ein öffentlicher Ort zu sein, an dem die Person sich ausruht, erschöpft womöglich vom Tagewerk eines...
