Glanzlichter 2022: Ballett Zürich
Immer wenn ich diese Saison über das Ballett Zürich berichtete, ging es um außergewöhnliche Abende. Begeisternde Inszenierungen, begabte Choreografen, beeindruckende Bühnenbilder, beflügelnde Musikkonzepte, bezwingende Bilderwelten. Tänzerische Visionen mit dem Hang zum Gesamtkunstwerk. Viel gradliniger Stilwille, gemischt mit Eleganz und feiner Melancholie, manchmal Magie pur, wenn alles wie aus einem Guss erschien.
Aber was ist mit den Tänzerinnen und Tänzern? Wie agieren sie in diesen vielschichtigen Erzählungen? Wie tanzen sie als weißer Hirsch mit zwei Krücken an den Armen, als Trägerin eines Rabenvogels, mit dem Kopf einer Antilope auf dem Rücken oder als Ritter in scheppernder Rüstung? Wie verleihen sie den Allegorien Ausdruck, die in Christian Spucks Balletten fantastisch und stets ein wenig entrückt die Bühne bevölkern? Angesichts der einnehmenden Gesamtbilanz soll hier eine Lanze für das Ballett Zürich als kreatives Kollektiv gebrochen werden. Denn eines steht fest: Ohne die Tänzerinnen und Tänzer, ohne ihre Wandlungsfähigkeit und ihre unbedingte Hingabe, wären diese Tanzabende nicht viel mehr als perfekte Formenspiele, tönendes Erz oder klingende Schelle.
«Aus alten ...
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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Die Saison 2021/22, Seite 130
von Martina Wohlthat
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