Gespenster
Merce Cunningham und John Cage nutzten Algorithmen für ihre Arbeit.
In «How to Pass, Kick, Fall and Run» (1965) wird Cunninghams Choreografie durch ein Textkonzert Cages strukturiert, und welche Textpassage wann zu hören ist, bestimmen nicht die Künstler, sondern das chinesische I-Ging-Orakel, ein System aus 64 Zeichen, das Cage seit 1951 für seine Kompositionen einsetzt: «Anstatt eine Auswahl zwischen möglichen Entscheidungen zu treffen, stelle ich nur Fragen, die nicht von einem Menschen (…) sondern von einem Orakel beantwortet werden», beschrieb der Komponist damals seine Arbeitsweise. Für die Rekonstruktion von «How to Pass, Kick, Fall and Run» vor einigen Monaten musste das Staatstheater Oldenburg allerdings nicht in die Tiefen des I Ging hinabsteigen: Über den «John Cage Trust» erhält man Zugriff auf eine App, die das Orakel digital simuliert. Eine Simulation, die mittels Algorithmen durchgeführt wird.
Ein Algorithmus ist im Grunde eine Wenn-Dann-Funktion. Wenn das Orakel die Antwort A gibt, dann folgt die Passage B aus Cages Libretto. Einen klassischen, einfachen Algorithmus findet man in der Empfehlungsfunktion auf Handelsplattformen: «Wenn Sie sich für Produkt C ...
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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Vermessung des Tanzes, Seite 114
von Falk Schreiber
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