Parkett International: Tschechien
Auch wenn die Zeiten akuter Corona-Beschränkungen hoffentlich hinter uns liegen, hat das Virus die tschechische Tanzszene in der vergangenen Saison stark geprägt – und das nicht nur negativ. Die Künstler*innen vermissten zwar den direkten Kontakt mit dem Publikum, konnten aber von einem kostbaren Gut profitieren: Zeit. Diese gab ihnen Gelegenheit, Konzepte zu entwickeln, sich über die eigene künstlerische Entwicklung Rechenschaft abzulegen und den Stellenwert von Produktionen und Themen einzuschätzen, die unsere Welt aktuell dramatisch verändern.
Das kulturelle Leben vollzieht derzeit einen langsamen Sanierungsprozess.
Nun, da das Publikum allmählich wieder in die Theatersäle zurückkehrt, muss man es davon überzeugen, dass sich der Besuch auch lohnt. Die Künstler*innen zeigen sich hochmotiviert und bereit, ihre Zuschauer*innen für die lange Dauer der gesundheitspolitisch verordneten Abstinenz zu entschädigen. Egal, auf welches Genre man im Tanz und zeitgenössischen Zirkus blickt: Die neuen Stücke beeindrucken mit einer Dringlichkeit, die vom Einsatz diverser technologischer Mittel und der Fusion verschiedener Künste und Ästhetiken noch befeuert wird. Das trifft auch auf Solos zu, ...
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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Die Saison 2021/22, Seite 166
von Jana Navrátová
Die aktive Zeit von Tänzer*innen ist kurz – und die ukrainische Kunstfront erleidet gerade herbe Verluste. Aufgrund des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt, sind die Tänzer*innen, Choreograf*innen und Dozent*innen von gestern heute damit beschäftigt, Spenden für Munition zu sammeln, Essen zu kochen und humanitäre Hilfe zu verteilen. Sie arbeiten als...
Vor Jahren lernte ich einen Tischlermeister kennen, er war Leiter des Malersaals im La Jolla Playhouse in San Diego/Kalifornien und hatte die Aufgabe, die Anfertigung der Kulissen für die bevorstehenden Produktionen zu beaufsichtigen. Im Anschluss an eine Erörterung des Spielplans kamen wir auf seine wahre Leidenschaft zu sprechen: den Amerikanischen Bürgerkrieg....
Der Mann scheint müde zu sein. Der Oberkörper auf einer recht unbequem aussehenden Bank zurückgelehnt, die Beine übereinandergeschlagen, ein Ellbogen klemmt an der Armlehne, der Kopf ist leicht nach hinten geneigt, die Augen sind geschlossen. Es scheint ein öffentlicher Ort zu sein, an dem die Person sich ausruht, erschöpft womöglich vom Tagewerk eines...
