Parkett International: Frankreich
Immerhin, sie tanzen wieder. Corona ist vergessen, die Masken sind gefallen. Wer ins Theater geht, atmet normal. Aber Hochform sieht anders aus. Die Säle bleiben oft halb leer, und der Sport scheint den Tanz fest im Griff zu haben. Denn unvermittelt stehen gerade die Institutionen in Lyon vor vollendeten Tatsachen. Dominique Hervieu, die seit 2011 die Geschicke der Maison de la Danse und der «Biennale de la Danse» leitete, verkündete im November 2021 ihren Abschied. Sie leitet nun die Kulturabteilung des Olympischen Komitees.
Denn, richtig: Im Sommer 2024 sollen bekanntlich in Paris die Olympischen Spiele stattfinden. Mit Breakdance-Battles als zusätzlicher Disziplin, gemeinsam mit Surfen, Klettern und Skaten.
Ob bei der Abwerbung von Hervieu eine Ablösesumme floss, ist nicht bekannt. Aber fair wäre es. Und sportüblich. So werfen die Spiele ihre Schatten voraus und die Grenzen zwischen Kultur und Sport verfließen zunehmend. Auf dem Champ de Mars vor dem Eiffelturm, in Sichtweite des Chaillot-Theaters, sollen die Wettkämpfe im Ringen, Fechten und in anderen Kampfsportarten ausgetragen werden – und zwar in einem Holzpalast, der zurzeit das gerade in Renovierung befindliche Grand ...
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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Die Saison 2021/22, Seite 150
von Thomas Hahn
Merce Cunningham und John Cage nutzten Algorithmen für ihre Arbeit. In «How to Pass, Kick, Fall and Run» (1965) wird Cunninghams Choreografie durch ein Textkonzert Cages strukturiert, und welche Textpassage wann zu hören ist, bestimmen nicht die Künstler, sondern das chinesische I-Ging-Orakel, ein System aus 64 Zeichen, das Cage seit 1951 für seine Kompositionen...
Mit Zuschauern oder ohne, vor halbleerem oder viertelvollem Saal, mit Maske oder ohne: Man konnte als Theaterbesucher schon mal den Überblick verlieren in diesen zwei entbehrungsreichen Jahren. Nur eines war sicher: Vom ersten Lockdown an wurde aus Holland regelmäßig die lebensnotwendige Dosis an moderner Choreografie vertickert, zum konsumentenfreundlichen Preis...
Immer wenn ich diese Saison über das Ballett Zürich berichtete, ging es um außergewöhnliche Abende. Begeisternde Inszenierungen, begabte Choreografen, beeindruckende Bühnenbilder, beflügelnde Musikkonzepte, bezwingende Bilderwelten. Tänzerische Visionen mit dem Hang zum Gesamtkunstwerk. Viel gradliniger Stilwille, gemischt mit Eleganz und feiner Melancholie,...
