Paris: Mats Ek «Carmen», «Another Place», «Boléro»
Abstinenz von der Bühne? Kein Dauer-zustand für den 74-jährigen Choreografen Mats Ek, wie er kürzlich verriet (tanz 6/19). Das Gleiche gilt für die Chefin des Pariser Opernballetts, Aurélie Dupont, die sich 2015 offiziell vom Palais Garnier verabschiedet hat. Um nur Monate später das Kommando zu übernehmen, als Ersatzfrau für den demissionierten Vorgänger Benjamin Millepied (siehe S. 20). Also tanzt Dupont gelegentlich wieder und bestimmt obendrein, wer choreografieren darf. Ob es einfach war, den Rentier Mats Ek zur Rückkehr zu bewegen – das wissen nur die beiden.
Das Ergebnis ist ein fantastischer Dreiteiler, angeführt von einer «Carmen», der man – dank Amandine Albissons tantrischen Eros-Schüben – nicht ansieht, das sie schon 1992 das Rampenlicht erblickte. Zwar wirken die Kostüme leicht Versace-mottig, aber die Botschaft überzeugt: Wenn Carmen und Don José Arm in Arm flanieren, sie mit Zigarre im Mund, er einen Rosenstrauß schwenkend, ist das – die Befreiung von allen Fesseln der Geschlechterklischees.
Eine Hommage an die Zweisamkeit ist auch «Another Place», die erste der beiden Neukreationen im Programm. Franz Liszts b-moll-Klaviersonate verwandelt der Pianist Staffan ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2019
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Dorion Weickmann
Es gibt noch Stücke, die Grenzen verschieben und die Welt der Kunst ein Stück weit verändern. «Bilderschlachten» von Stephanie Thiersch bietet solch ein Erlebnis, ganz überraschend und daher umso intensiver. Selbst in einem Jahrhundert revolutionärer Tanzgeschichte ist eben doch noch nicht alles probiert, realisiert und abgehakt worden. Die «Bilderschlachten» toben...
Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Jérôme Bel mit «Nom donné par l’auteur» begann, Tanzgeschichte zu schreiben. Ab 1994 setzte sich der ehemalige Tänzer der Kompanie von Angelin Preljocaj in seinen Stücken mit theoretischen Fragen auseinander, insbesondere mit der Beziehung zwischen Autor, Werk und Zuschauer. Die einen befanden, Bel erweitere den Blick auf den...
Ich trage eine Art Skiunterwäsche und ein Plastik-Regencape. Der Maskenbilder fotografiert uns mit den Kostümen für die Premiere von «#Mensch». In den letzten Probenwochen des Partizipationsprojekts fühle ich mich ein wenig wie eine Schachfigur, die nur die Bewegungen des Spielleiters ausführen kann. «Es muss die Dringlichkeit der Situation wirklich deutlich...
