Einer Ikone auf der Spur

Sie war die erste Hohepriesterin des Ausdruckstanzes Isadora Duncan. Wie geht der Konzeptchoreograf Jérôme Bel mit ihrer Emphase um? Das wird sich zwar erst beim Berliner «Tanz im August» weisen, aber darüber nachgedacht hat schon im Vorfeld Thomas Hahn

Tanz - Logo

Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Jérôme Bel mit «Nom donné par l’auteur» begann, Tanzgeschichte zu schreiben. Ab 1994 setzte sich der ehemalige Tänzer der Kompanie von Angelin Preljocaj in seinen Stücken mit theoretischen Fragen auseinander, insbesondere mit der Beziehung zwischen Autor, Werk und Zuschauer. Die einen befanden, Bel erweitere den Blick auf den Körper und die Situation der Aufführung. Die anderen sagten, das Ergebnis sei «Nicht-Tanz».

 

«Nicht-Tanz» – dieses Etikett wurde oft auch den Auftritten von Isadora Duncan angeheftet, der Amerikanerin, die in Europa für Furore sorgte: Indem sie der Tanzkunst des frühen 20. Jahrhunderts ihre Begeisterung für das antike Hellas einimpfte und so eine Erneuerung anstieß. Statt in Korsett und Spitzenschuh trat die Duncan nach den Vorbildern der Nymphen und Sirenen auf, die sie auf den Vasen der Altertumssammlungen von British Museum und Louvre bestaunt hatte: in locker fließenden Gewändern, barfuß und mit wallendem Haar. Was dem theatralen Erscheinungsbild schon recht nahe kommt, das auch Jérôme Bel bevorzugt: eher casual als stylish. Von daher nicht erstaunlich, dass der Choreo-graf sich nun der Freitanz-Ahnin zuwendet und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Prag: John Cranko «Schwanensee»

Wer kennt schon Václav Reisinger? Im Zusammenhang mit seiner «Schwanensee»-Einstudierung tut das Prager Nationaltheater deshalb gut daran, im Programmheft wie auch mit einer Ausstellung an den tschechischen Choreografen zu erinnern. Schließlich war er es, dem der angebliche Misserfolg der Moskauer «Schwanensee»-Uraufführung 1877 angelastet wird: angeblich, weil die...

Hamburg: Robert Wilson «Mary said what she said»

Seit er 1976 mit «Einstein on the Beach» eine choreografische Oper schuf, in der Lucinda Childs als Tänzerin auftrumpfte, gilt Robert Wilson als Avantgardist und Revolutionär des Schauspiels. Die Aura, die den 77-Jährigen umgibt, gleicht der einer Pina Bausch oder eines Maurice Béjart. Dabei hat sich Wilsons Stil seit Jahrzehnten kaum verändert: Seine gestochen...

Impressum 8/9/2019

tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber 
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion  
Hartmut Regitz, Dorion Weickmann, Arnd Wesemann 
Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin 
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12 
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de

Gestaltung & Bildredaktion 
Marina Dafova

Anzei...