Paris: Angelin Preljocaj «Gravité»

Angelin Preljocaj macht das Universum zur Tanzbühne, als Dealmaker zwischen dem Körper des Tänzers und einem ganzen Bouquet von Gravitationskräften, so wie sie auf diversen Planeten auf den Menschen einwirken bzw. einwirken würden. Wenn man denn je in die Verlegenheit käme, auf Venus, Saturn, Jupiter einen Spaziergang oder gar ein Tänzchen zu versuchen. Ausgangspunkt der Neuproduktion des Choreografen aus Aix-en-Provence: mal wieder Recherche wagen, statt Märchen- oder Sagenstoff zu verarbeiten wie in «Snow White» oder zuletzt in «La Fresque» (tanz 12/16).

Also: zurück zu Grundlagenforschung an Körper und Bewegung. Interaktive Spielchen mit virtueller Realität interessieren ihn dabei nicht, trotz des wissenschaftlichen Themas, trotz Verweisen auf Newton und Einstein. Da säuseln leise ein paar Funksprüche von Kosmonauten durch den Saal, aber für den Zuschauer stellt sich so gar kein Raumfahrtgefühl ein.    

Zuerst liegen die dreizehn Tänzer wie tot am Boden, aufeinander gehäuft. Unsägliches lastet auf ihren Gliedern. Und sie erwachen langsam, zähflüssig, zu symphonischen Klängen von Schostakowitsch. Standort: Sonne. Beginn des Lebens. Logisch. Doch dann pocht der Tanz auf seine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
John Neumeier zum 80.

Wer heute in die Teenie-Phase kommt, hat politische Monokultur an der Staatsspitze erlebt: Angela Merkel regiert seit 2005 – und wird mittlerweile selbst von Gegnern dafür bestaunt, wie sie ihre Machtstellung behauptet hat. Wer knapp 50 ist und halbwegs tanzinteressiert, der kann sich nicht erinnern, dass es in der Freien und Hansestadt Hamburg je einen anderen...

Unesco-Kulturerbe

Fünf Jahre nach dem Beitritt Deutschlands zum UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes hat das hierzulande entwickelte Welttanzprogramm für den Paartanz (WTP) den Sprung ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes geschafft. Einen entsprechenden Antrag hatte der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) unter Federführung...

Exportmeisterin

Die Deutschen sind Exportweltmeister. Nur die Bühnenkunst, made in Germany, bleibt viel zu oft zu Hause. Warum? Gerade Tanz gilt doch als besonders «tourfähig». Und Hilfe gibt es auch. Niemand im Ausland muss eine Produktion kaufen, ohne zusätzliche Finanzhilfe etwa durch das Goethe-Institut oder Pro Helvetia zu erhalten. Auch andere Fördermöglichkeiten, die des...