Lausanne on tour: Philippe Saire «Actéon»
Spanner leben gefährlich. Früher wohl mehr als heute, da wir – nicht nur von einschlägigen TV-Formaten – zum Voyeurismus fast gezwungen werden. Es soll indes Zeiten gegeben haben, da, wie Ovid erzählt, eine Göttin zufällig beim Baden zu überraschen, lebensgefährlich sein konnte. Diana verwandelte Aktaion in einen Hirsch, und der wurde daraufhin von seinen eigenen Hunden zerfleischt. Pech gehabt?
Philippe Saires Aktaion macht sich selbst zum Hirschen.
Gegen Ende des im November in Lausanne uraufgeführten Stücks «Actéon» setzt sich Pierre Piton ein Geweih auf den Kopf und harrt der veränderten Wahrnehmung. Bis zu diesem Zeitpunkt war er Jäger – wie seine Tänzerkollegen Gyula Cserepes, Denis Robert und David Zagari. Jetzt verschieben sich Perspektive und Kräfteverhältnisse. Die Jäger beleuchten – und belauern – einander mit Scheinwerfern. Die Szene, die eigentlich nie so etwas wie ein Ganzes gezeigt hat, zerbröckelt vollends. Und zwischen Dunkel und kleinen Lichtausschnitten wird das Treiben samt Trophäen – ein Haufen ausgeweideter Tiere – zu einer Art «Jagdszenen aus Niederbayern», in denen Menschen zu den Tieren werden, die sie eh schon sind.
Philippe Saire hat in den letzten ...
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Tanz Februar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Lilo Weber
Ob große Politik, ob Kulturkrawall in der Provinz – der Rund-um-die-Uhr-Schreiber Kurt Tucholsky nahm alles aufs Korn. 1920 zerrte er eine Modeerscheinung aufs Satire-Schafott, die seit der Kriegsniederlage und den revolutionären Unruhen an der Jahreswende 1918/19 prächtig gedieh. Der Kaiser war ins Exil verschwunden, die Sozialdemokratie mit der Heeresleitung...
Owen Belton, Sie haben gerade am Staatstheater Nürnberg Goyo Monteros «A Midsummernight’s Dream» musikalisch belebt und sind weltweit als Komponist im Einsatz – vom National Ballet of Canada über das Stuttgarter Ballett bis hin zum Royal Ballet London. Nun sind Ihre Kollegen häufig Allrounder, während Sie sich auf den Tanz spezialisiert haben. Wie kommt das?
Wie es...
Seit 2014 entwickeln Sie abstrakte Tanzstücke für junges Publikum, die eine intime Atmosphäre schaffen. «Nero» etwa fand im Dunkeln statt. In Ihrer neuesten Produktion «Pelle» beschäftigen Sie sich mit dem Thema Haut. Wie entwickeln Sie Ihre Themen?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche Produktionen entstehen aus einer Frustration heraus. «Bomba Mix» etwa spiegelt,...
