Papa, ich will tanzen!

So fängt alles an. Jetzt wird es ernst: Der Körper macht sich auf, seinen Besitzer durch Tanz zu ernähren. Ein Weg, der durch die Schule geht. Aber durch welche?

Warum anfangen?

Die Stereoanlage. Das Wohnzimmer. Eltern und Geschwister sind ausgegangen. Okay, die Musik ist viel zu laut. Dafür kommt sie ganz gewaltig: die Ahnung von Freiheit. Der Arm schwingt. Der Kopf knallt zur Seite. Das eine Bein springt. Das andere hinterher. Da ist er, der von unzähligen Generationen gefürchtete Virus. Das Kind bewegt sich. Frei. Ungeahnt frei. Der Botenstoff wirkt als Droge. Mit jedem Zucken des Körpers geht das Hirn ganz weit auf. Der Boden verliert seine stupide Bedeutung als Teppichträger. Der Raum tanzt mit dem Kind. Nein, nicht einem Ball nachjagen.

Sich endlich bewegen, nicht ein anderes Kind fangen. Bewegung ohne finales Ziel ist etwas anderes als Sport. Oder Spiel. Sich bewegen, selbst bewegen. Selbst sich. Der Körper setzt Grenzen erst bei einsetzender Atemlosigkeit. So wird er entdeckt, der Tanz. Es ist verdammt schwer, ihn nicht zu entdecken. Jeder hat ihn so oder ähnlich an sich selbst gefunden. Tanz ist selbst, sich, ich. Viele haben ihn wieder vergessen müssen.

Am Marktplatz der Kleinstadt hat der Fotograf sein Geschäft. Im Schaufenster steht eine gerahmte Fotografie. Eine Ballettklasse ist darauf zu sehen – alles Mädchen, alle in weißem ...

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Tanz August/September 2006
Rubrik: Tanzschulen, Seite 10
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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