Martin Schläpfer
Sie sind ein zeitgenössischer Ballettchoreograf. Ist das Ausbildungsniveau junger klassischer Tänzer für ihren Bedarf ausreichend? Grundsätzlich ist hier immer noch das sehr verhaftet, was wir «russisch» nennen: Zum Beispiel, immer so extrem auswärts zu stehen – das ist im Prinzip nur eine ungesunde Äußerlichkeit, die der Bewegung nichts bringt und den Tanz verfälscht. Man kann doch den Effekt der Auswärtsdrehung viel einfacher erzielen: wenn man beispielsweise den Wadenmuskel nach vorn dreht und sich vom Brustbein her hochzieht.
Das alles hat natürlich auch immer etwas mit dem Zentrum zu tun, das man haben muss. Wenn man aber immer zu stark ausdreht, gefährdet man dieses Zentrum. Dann ist man zu 99,9 Prozent hinter sich, d. h. nicht in der Achse vom Scheitel bis zum Steißbein. Und dann bricht alles nach hinten weg, besonders der Rücken. Knie, Bauch und Brust fallen dagegen nach vorn. Das zwanghafte Ausdrehen blockiert das Becken, die Bodenhaftung, die Kraft und die gesamte Körperstruktur, vor allem den Tanzduktus.
Heißt das, wenn die frischgebackenen Tänzer ans Theater kommen, müssen Sie als Choreograf erst mal eine zweite Ausbildung oder eine Umschulung leisten? Für jeden Tänzer, ...
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WENN RUSSEN KOMMEN, scheint die Klassik auf dem Höhepunkt. Sie soll ausgerechnet aus einer so strahlenden, individualistischen und dynamischen Stadt wie Moskau kommen, einer Metropole, die sich selbst kaum an ihren letzten «großen Stil» erinnern mag, an Yuri Grigorovich, den St. Petersburger, der das Ballett des Bolshoi von1965 bis1995 leitete. Hier entstand der...
Im heutigen Tanz ist Vorsicht geboten, denn auch hier drohen sich, wie in anderen Bereichen, die Grenzen zwischen Hochkultur und Mittelmäßigkeit allmählich zu verwischen. Wir sollten unser Augenmerk deshalb auf die Ausbildung legen, denn deren Bedeutung wird gerne unterschätzt: Man glaubt sich die Meinung leisten zu dürfen, zeitgemäße Tanzarten bedürften keiner...
Am 27. Mai verstarb eine der letzten Zeitzeuginnen des deutschen Ausdruckstanzes. Sie wurde am «Choreografischen Institut» Rudolf von Labans zur Pädagogin ausgebildet. Ende der 1920er und Anfang der 30er Jahre arbeitete sie u. a. in den Berliner Bewegungschören Laban, beim Kunstverein in Libau (Lettland), in der Laban-Tanzgruppe von Annemarie Dunkel und Edgar...
