Martin Schläpfer
Sie sind ein zeitgenössischer Ballettchoreograf. Ist das Ausbildungsniveau junger klassischer Tänzer für ihren Bedarf ausreichend? Grundsätzlich ist hier immer noch das sehr verhaftet, was wir «russisch» nennen: Zum Beispiel, immer so extrem auswärts zu stehen – das ist im Prinzip nur eine ungesunde Äußerlichkeit, die der Bewegung nichts bringt und den Tanz verfälscht. Man kann doch den Effekt der Auswärtsdrehung viel einfacher erzielen: wenn man beispielsweise den Wadenmuskel nach vorn dreht und sich vom Brustbein her hochzieht.
Das alles hat natürlich auch immer etwas mit dem Zentrum zu tun, das man haben muss. Wenn man aber immer zu stark ausdreht, gefährdet man dieses Zentrum. Dann ist man zu 99,9 Prozent hinter sich, d. h. nicht in der Achse vom Scheitel bis zum Steißbein. Und dann bricht alles nach hinten weg, besonders der Rücken. Knie, Bauch und Brust fallen dagegen nach vorn. Das zwanghafte Ausdrehen blockiert das Becken, die Bodenhaftung, die Kraft und die gesamte Körperstruktur, vor allem den Tanzduktus.
Heißt das, wenn die frischgebackenen Tänzer ans Theater kommen, müssen Sie als Choreograf erst mal eine zweite Ausbildung oder eine Umschulung leisten? Für jeden Tänzer, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Berlin hat wieder einmal die Nase vorn. Nicht nur mit mit dem Pilotprojekt hochschulübergreifendes Zentrum Tanz, mit dem die drei Projektpartner Universität der Künste, Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» und TanzRaumBerlin gemeinsam die Zukunft des zeitgenössischen Tanzes planen. Unter Federführung von Boris Charmatz, Ingo Reulecke und Eva Marie...
Die Mobile Akademie schöpft nicht aus dem Vollen. Sie lebt von Defiziten und schließt Lücken. Anders als andere mobile Einrichtungen wie Bofrost oder der Pizzabote kommt sie aber nicht nach Hause. Im Gegenteil: Die Teilnehmer müssen sich schon selbst auf die Socken machen – in diesem Jahr geht die Reise nach Warschau. «Ein Monat zwischen Aktionismus und...
Manche wähnen das Land der Zelte irgendwo dort, wo einem die Zensur einen Strich durch die Rechnung macht. Doch Tentland liegt überall. In Ansichtskarten aus aller Herren Länder schnitt Helena Waldmann jene konischen Zelte, die im Iran das «schwache» Geschlecht vor männlichen Blicken «schützen». Es ist eine Frage der Perspektive.
Auch im Iran haben die Menschen ein...
