Martin Schläpfer

Wider die Ballettmythen Immer mehr Direktoren und Choreografen beklagen das Ausbildungsniveau junger Ballett-Tänzer: Zu wenig Handwerkszeug, sagen die einen, zu wenig Künstlergeist die anderen. Was ist dran? Wir fragten Martin Schläpfer, Ballettdirektor und Chefchoreograf des ballettmainz. Und erhielten eine klare Aussage.

Tanz - Logo

Sie sind ein zeitgenössischer Ballett­choreograf. Ist das Ausbildungsniveau junger klassischer Tänzer für ihren Bedarf ausreichend? Grundsätzlich ist hier immer noch das sehr verhaftet, was wir «russisch» nennen: Zum Beispiel, immer so extrem auswärts zu stehen – das ist im Prinzip nur eine ungesunde Äußerlichkeit, die der Bewegung nichts bringt und den Tanz verfälscht. Man kann doch den Effekt der Auswärtsdrehung viel einfacher erzielen: wenn man beispielsweise den Wadenmuskel nach vorn dreht und sich vom Brustbein her hochzieht.

Das alles hat natürlich auch immer etwas mit dem Zentrum zu tun, das man haben muss. Wenn man aber immer zu stark ausdreht, gefährdet man dieses Zentrum. Dann ist man zu 99,9 Prozent hinter sich, d. h. nicht in der Achse vom Scheitel bis zum Steißbein. Und dann bricht alles nach hinten weg, besonders der Rücken. Knie, Bauch und Brust fallen dagegen nach vorn. Das zwanghafte Ausdrehen blockiert das Becken, die Bodenhaftung, die Kraft und die gesamte Körperstruktur, vor allem den Tanzduktus.

Heißt das, wenn die frischgebackenen Tänzer ans Theater kommen, müssen Sie als Choreograf erst mal eine zweite Ausbildung oder eine Umschulung leisten? Für jeden Tänzer, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2006
Rubrik: Tanzschulen, Seite 22
von Diana Deutschle

Vergriffen
Weitere Beiträge
Arnheim

An Audrey Hepburn kommt in Arnheim keiner vorbei. Nicht dann, wenn man wie John Bliekendaal in eben diesem Haus wohnt, in dem Edda Kathleen von Heemstra Hepburn-Rust (so der Name der nachmals berühmten Schauspielerin) vier Jahre lang ihren ersten richtigen Ballettunterricht erhielt. Winja Marova hieß ihre Lehrerin, und die war es auch, unter deren Ägide sich die...

Schulen, die bewegen

Wie ist die momentane Situation? Gerade hatten wir wieder Aufnahmeprüfungen. Es gibt immer zwei fürs kommende Wintersemester: im März und im Juni. Beworben hatten sich ungefähr einhundert Leute. Wir nehmen jedes Jahr aber nur maximal zwölf Studierende auf. Das Studium dauert vier Jahre, mit einer Vordiplomprüfung nach dem vierten Semester und der Diplomprüfung und...

Was wird aus Stijn Celis?

Tanzchef Stijn Celis verlässt Bern. Der Vertrag mit dem Leiter der Tanzkompanie am Stadttheater Bern wurde nicht verlängert. Stijn Celis räumt seinen Platz Ende der Spielzeit 2006/07. Er hat die Stelle als Spartenleiter erst im August 2004 angetreten, sich stark für verbesserte Arbeitsbedingungen der Sparte Tanz engagiert und radikale Choreografien präsentiert. Mit...