Osnabrück: Wigman, Clug, De Candia «Bauhaus | Bolero»

«Monotonie» nennt Mary Wigman die vier Abschnitte, in die sich der erste Satz ihrer Tanzsymphonie gliedert. Doch von Monotonie kann bei der «Feier» keine Rede sein. Allein schon der Gruppenauftritt gleich zu Anfang verschlägt einem den Atem. Es könnte sich um einen Fries aus Menschenleibern handeln, der sich schrittweise auf die Bühne schiebt und dem «Tempel» genannten Teil sozusagen erst den Rahmen gibt. Flächig choreografiert, lässt er einen sofort an «L’Après-midi d’un faune» von Vaslav Nijinsky denken, von dem Mary Wigman 1927/28 zumindest gehört haben könnte.

Und doch gestaltet sich der «absolute Zusammenklang von Farbe, Form und Linie, von Körper- und Raumrhythmus», wie sie rückblickend über «Die Feier» selber sagt, ganz, ganz anders: zwar immer geerdet und selbst in der «Drehmonotonie» auf den Boden bezogen, aber niemals spielerisch frei und erotisch, sondern stets erhaben und einer gesetzmäßigen Formung unterworfen.

Henrietta Horn hat zusammen mit Susan Barnett den schwierigen Versuch unternommen, «Die Feier» von Mary Wigman wieder sichtbar zu machen – und das aufgrund von Fotos, Beschreibungen und den Zeichnungen, die Walter Eberhard Loch in den Proben angefertigt hat. ...

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Tanz März 2019
Rubrik: Kritik, Seite 41
von Hartmut Regitz