Putbus on tour: Ralf Dörnen «Der Besuch»

Friedrich Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» war Schullektüre in Ost und West, dieses böse Märchen von Kläri aus Güllen. Ausgestoßen, prostituiert und gut geheiratet, hat sie sich  hochgearbeitet an die Spitze jenes einen Prozents der Reichen, der so viel besitzt wie der Rest der Welt zusammen. Mit solchem Geld lässt Kläri einen biederen Güllener Familienvater ermorden, der ihr einst ein Kind vermachte und sie zum Teufel jagte. Ill, so sein sprechender Name, brillant getanzt von Stefano Fossat, entlockt die Moral des Ganzen: «Be rich enough, be witch craft».

 

Die Hexenkunst von Claire Zachanassian, wie Kläri jetzt heißt, wird nicht von einer alten Dame verübt. Das Stück in der Fassung von Ralf Dörnen heißt – wie schon 2016 bei Jörg Mannes in Hannover – einfach «Der Besuch», abgestattet von einer jungen, unberührbar schönen Bárbara Flora, die goldumflort wie aus einem Ballettmärchen entsprungen in einem unterkühlten Pas de deux an der Hand ihres indisch gewandeten Dieners -Yael -Shervashidze das Örtchen Güllen in ein güldenes verwandelt. Natürlich auch dank des Bühnenbildners Klaus Hellenstein. Er addiert zu den Häuschen im Dorf, die dem Ensemble als Sitzbank dienen, einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2019
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Kalender 3/19

Deutschland

Aachen

Fabrik Stahlbau Strang
Die 24. Auflage des «schrit_tmacher Festivals». 12. März – 14. April: Die in Shanghai geborene Tänzerin und Choreografin Yin Yue bietet mit ihrer New Yorker YY Dance Company in dem dreiteiligen Programm «The Edge of 30 Degrees» eine Mischung aus chinesischen Folk-Elementen und zeitgenössischem Tanz. 14.–17. März
Die...

Lüneburg: Olaf Schmidt «Der Zauberberg»

Zehn Tänzer sind nicht unbedingt eine Personaldecke, die einen Choreografen und seine Fantasie auf Dauer warmhält. Aber Olaf Schmidt, in der sechsten Spielzeit Tanzdirektor am Theater Lüneburg, hat für sich und sein Ensemble das Beste daraus gemacht. Das Kollektiv braucht den Vergleich mit Kompanien, die ein bis zwei Nummern größer sind, in keiner Weise zu scheuen....

Osnabrück: Wigman, Clug, De Candia «Bauhaus | Bolero»

«Monotonie» nennt Mary Wigman die vier Abschnitte, in die sich der erste Satz ihrer Tanzsymphonie gliedert. Doch von Monotonie kann bei der «Feier» keine Rede sein. Allein schon der Gruppenauftritt gleich zu Anfang verschlägt einem den Atem. Es könnte sich um einen Fries aus Menschenleibern handeln, der sich schrittweise auf die Bühne schiebt und dem «Tempel»...