Opfer für Europa
Die Frage kommt überraschend: Wann ist man zuletzt persönlich von den Mitwirkenden eines Stücks begrüßt worden, während man im Saal saß und auf den Beginn wartete? In Hooman Sharifis «Sacrifice While Lost in Salted Earth» geschieht genau das. In einem außergewöhnlichen Prolog schickt der in Norwegen lebende Iraner seine Truppe zur Kontaktaufnahme mit dem Publikum, auf Tuchfühlung zwischen den Stuhlreihen. Da wenden sich Individuen an Individuen, und doch geht es um die Gemeinschaft.
Es ist denn auch ein echter Post-Lockdown-Trend in der Tanzwelt, dass Zuschauer*innen und Interpret*innen einander wieder erfahren wollen. Man geht runter von der Bühne, zumindest zeitweise. «Hello, I’m Roza» oder so ähnlich stellen sich die Tänzer*innen in diesem unerwarteten, gänzlich unchoreografischen Prolog vor, kurze Dialoge mit dem Publikum inbegriffen. Zur Uraufführung Ende Juni vergangenen Jahres im Rahmen von «Montpellier Danse» war das endlich wieder möglich, trotz erneut ansteigender Infektionszahlen. Den Mundschutz trugen da nur noch der stets vorbildliche Festivalleiter Jean-Paul Montanari und wenige andere.
Die Rückkehr der Kontaktfreude erzeugt Frühlingsgefühle, ganz im Sinn der ...
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Tanz 1 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Thomas Hahn
FUN FEMINISM
Bis heute sind weiblich gelesene Positionen in den Kunstinstitutionen unterrepräsentiert – auch im traditionsreichen Kunstmuseum Basel. Weswegen eine Ausstellung zu feministischer Kunst auf jeden Fall eine gute Idee ist, um eingefahrene Sichtweisen aufzubrechen, zumal die hier eingeschriebene Tendenz zum Artivism dem Ganzen auch noch einen hübsch...
Ralf Dörnen, Sie haben 1985 bei der Uraufführung den «Wilden Krieger» getanzt. Wie hat John Neumeier Ihnen damals die Rolle erklärt?
Es gibt ja zwei Rollen, die klischeehaft oder trugbildnerisch gearbeitet sind, eben der «Wilde Krieger» und «Primavera». Der Krieger ist das Bild, das sich Desdemona von Othello macht, die Primavera umgekehrt Othellos Projektion...
Nachts kommen die Schatten. Sie kriechen, schleichen, rollen und schlurfen durch das Unterbewusstsein des alternden Malerfürsten (Christopher Carduck), und als eine Art Sarg aufrecht in den Raum rollt, bringen sie ihn dazu, das Objekt zu signieren. Immerhin kann sich der Künstler in das Ding retten, das sich als Jungbrunnen erweist: Kurz darauf erscheint er nämlich...
