Opfer für Europa
Die Frage kommt überraschend: Wann ist man zuletzt persönlich von den Mitwirkenden eines Stücks begrüßt worden, während man im Saal saß und auf den Beginn wartete? In Hooman Sharifis «Sacrifice While Lost in Salted Earth» geschieht genau das. In einem außergewöhnlichen Prolog schickt der in Norwegen lebende Iraner seine Truppe zur Kontaktaufnahme mit dem Publikum, auf Tuchfühlung zwischen den Stuhlreihen. Da wenden sich Individuen an Individuen, und doch geht es um die Gemeinschaft.
Es ist denn auch ein echter Post-Lockdown-Trend in der Tanzwelt, dass Zuschauer*innen und Interpret*innen einander wieder erfahren wollen. Man geht runter von der Bühne, zumindest zeitweise. «Hello, I’m Roza» oder so ähnlich stellen sich die Tänzer*innen in diesem unerwarteten, gänzlich unchoreografischen Prolog vor, kurze Dialoge mit dem Publikum inbegriffen. Zur Uraufführung Ende Juni vergangenen Jahres im Rahmen von «Montpellier Danse» war das endlich wieder möglich, trotz erneut ansteigender Infektionszahlen. Den Mundschutz trugen da nur noch der stets vorbildliche Festivalleiter Jean-Paul Montanari und wenige andere.
Die Rückkehr der Kontaktfreude erzeugt Frühlingsgefühle, ganz im Sinn der ...
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Tanz 1 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Thomas Hahn
Franz Schuberts «Winterreise» ist eine Wanderung zur Selbsterkenntnis. Hans Zender lässt in seiner Orchesterfassung die Melodien bersten im Lebenssturm. Diese angeraute Seelenmusik, gespannt zwischen die harschen Klangflächen der Bielefelder Philharmoniker unter Gregor Rot und den eher weichen Ton von Tenor Christopher Diffey, ist die ideale Grundlage für Gregor...
Müssen wir, um unsere Kunst zu betreiben, unsere persönliche Integrität als Menschen über Bord werfen? Diese Frage treibt mich um, seit ich die Debatte verfolge, die sich in den vergangenen Monaten am Königlich Dänischen Ballett entzündet hat und die in den traditionellen wie in den sozialen Medien hitzig und hart kommentiert wird. Wir als Tänzer*innen hatten...
FUN FEMINISM
Bis heute sind weiblich gelesene Positionen in den Kunstinstitutionen unterrepräsentiert – auch im traditionsreichen Kunstmuseum Basel. Weswegen eine Ausstellung zu feministischer Kunst auf jeden Fall eine gute Idee ist, um eingefahrene Sichtweisen aufzubrechen, zumal die hier eingeschriebene Tendenz zum Artivism dem Ganzen auch noch einen hübsch...
