Keine Schattenwesen ohne Stimme
Müssen wir, um unsere Kunst zu betreiben, unsere persönliche Integrität als Menschen über Bord werfen? Diese Frage treibt mich um, seit ich die Debatte verfolge, die sich in den vergangenen Monaten am Königlich Dänischen Ballett entzündet hat und die in den traditionellen wie in den sozialen Medien hitzig und hart kommentiert wird. Wir als Tänzer*innen hatten zunächst beschlossen, uns nicht zu dem allgemeinen Getöse zu äußern, weil wir der Auffassung sind, dass unser Management und unser Arbeitgeber die richtigen Schritte unternommen haben, einen Konflikt dieser Art zu lösen.
Was mich allerdings aus der Haut fahren lässt und nun doch zu einer Stellungnahme veranlasst hat, ist der Eindruck, dass meine Kolleg*innen und ich unfair behandelt werden, und dass wir uns nicht adäquat verteidigen können.
Etwa gegen Äußerungen der Ballettkritikerin Anne Middleboe, die am 21. November 2022 auf «P1 Morgen» über uns Tänzer*innen sagte: « ... das sind keine Sprach-, sondern Körpermenschen, daher leuchtet es ein, dass sie vielleicht mal ein paar Kurse in Kommunikation belegen sollten.» Wie mir scheint, glauben auch andere offenbar, dass wir nichts sind als Körper auf der Bühne, frei von ...
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Tanz 1 2023
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 50
von Oliver Starpov
Ob in «Schwanensee» oder «Dornröschen»: Während seiner glanzvollen Jahre am Mariinsky-Theater brauchte Xander Parish einfach nur als Prinz auf die Bühne zu treten, und schon stellten sich Wonneschauer ein. Die anmutige Haltung des Oberkörpers, langes, elegantes Ausschreiten, sein überwältigendes Lächeln, dazu das milde, schöne Gesicht – diese einzigartige...
Die Frage kommt überraschend: Wann ist man zuletzt persönlich von den Mitwirkenden eines Stücks begrüßt worden, während man im Saal saß und auf den Beginn wartete? In Hooman Sharifis «Sacrifice While Lost in Salted Earth» geschieht genau das. In einem außergewöhnlichen Prolog schickt der in Norwegen lebende Iraner seine Truppe zur Kontaktaufnahme mit dem Publikum,...
Nachts kommen die Schatten. Sie kriechen, schleichen, rollen und schlurfen durch das Unterbewusstsein des alternden Malerfürsten (Christopher Carduck), und als eine Art Sarg aufrecht in den Raum rollt, bringen sie ihn dazu, das Objekt zu signieren. Immerhin kann sich der Künstler in das Ding retten, das sich als Jungbrunnen erweist: Kurz darauf erscheint er nämlich...
