Olga Roriz

wird mit einer Biografie geehrt

Tanz - Logo

Olga Roriz stieß in ihrem Stück «F.I.M.» (für: «Fragmente, Einschreibungen, Erinnerungen») auf lauter grundsätzliche Frage wie: «Was ist Raum?». Dazu knöpfte ein Tänzer Hemd und Hose auf und begoss sich mit Theaterblut. Raum sei, wo­rin die menschliche Existenz gesperrt ist. «Was ist Zeit?» Die im Stuhl sich windende Tänzerin antwortete, dass sie «tired for centuries» sei, sehr müde, denn Zeit existiere schon eine Ewigkeit.

Diesen Erkenntnisstand nennt man in Portugal Saudade – Grundton einer Choreo­grafin, die seit 1978, also fast dreißig Jahre lang, den portugiesischen Tanz immer weitertrieb. Jetzt hat die Journalistin Mónica Guerreiro ihre Biografie geschrieben (bei Assírio & Alvim). Am Anfang, erinnert sich Olga Roriz, herrschte die Neoklassik mit starken Männern und unterwürfigen Frauen. Roriz provozierte mit Tanztheater und ein wenig deutschem Expressionismus. Dann kam die Gender-Diskussion und sie lief, nur mit Laub bedeckt, in «Jardim de Inverno» 1989 durch Rennes. Ein wirklich feministisches Statement war das so wenig, wie sie 1996 in «Propriedade Privada» nahe Auschwitz nicht den Genozid thematisierte, auch wenn es viele ihrer Zuschauer so sehen wollten. Roriz, bis 1990 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2006
Rubrik: Celebrities, Seite 29
von Tiago Bartolomeu Costa

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sri Louise

Sri Louise is a contemporary dancer as well as an internationally acclaimed yoga teacher. Most recently, Sri acted as Sidi Larbi Cherkaoui‘s physical coach for his project “Zero Degrees“ with Akram Khan, for the Ballets of Monte-Carlo and the Cullberg Ballet. Now she will be performing in Sidi‘s up-coming project, which premiers in June 2007. See also: www....

Die Gleichberechtigung

hat felsenfeste Positionen zementiert: dass Frauen gleich viel verdienen, gleich hart arbeiten, gleiche Chancen besitzen und bei der Erziehung der Kinder nur noch gleichen Anteil nehmen müssen wie die Männer. Wie auch immer die Gleichheit in Wirklichkeit aussieht – diese Gleichheit kommt als so verbindlich daher, dass es völlig egal ist, ob Gleichheit wirklich...

Pina Bausch

Die Bemerkung stammt von Bertolt Brecht: dass die größte Wirksamkeit eines Künstlers kaum je mit der größten (öffentlichen) Anerkennung einhergehe. Will heißen: Wenn es Preise, Ehrungen und Auszeichnungen hagelt, hat sich der revolutionäre Elan des Anfangs längst verbraucht.

Das scharfsichtige Statement galt auch für den Erneuerer deutscher Dramatik selbst. Legte...