Noé Soulier

Wir haben Tanzkünstler und -künstlerinnen gefragt: «Was war produktiv? Was nehmen Sie mit? Was erwarten Sie für die nähere Zukunft?»

Covid-19 hat unser Verhältnis zum Körper gestört. Zu den Körpern anderer Menschen, indem es uns zwang, sämtliche Kontakte zu unterdrücken und einen Teil unseres Gesichts zu maskieren, aber auch zum eigenen Körper. Die Menschen, denen wir begegnen, nicht sehen und nicht berühren zu können, führt zur Auslöschung unseres eigenen Körpers. Dieser Prozess wird durch die vermehrten virtuellen Zusammenkünfte nur noch begünstigt.

Die Unmöglichkeit von Live-Performances hat die Art und Weise sichtbar gemacht, wie Tanz kraft seiner ureigensten Natur Widerstand leistet gegen die ständige Ausweitung der virtuellen Dimension unserer Welterfahrung. Dennoch haben die Einschränkungen zu einer Vervielfachung von Video-Projekten geführt, welche neue und extrem stimulierende Formen des Teilens und Betrachtens von Tanz erzeugen. Ich bin sehr neugierig darauf, die zahlreichen choreografischen Projekte zu entdecken, die – ob live oder digital – während der Zeit der Isolation entwickelt wurden und die das Zeichen jener eigentümlichen körperlichen, psychologischen und sozialen Situation tragen, die wir nach wie vor erleben.

Nach den abgesagten Tourneen der zurückliegenden Saison habe ich ein Video-Projekt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 37
von

Weitere Beiträge
Katharina Torwesten

Zunächst fand ich gar nichts produktiv. Corona hat alle unsere «Produkte» an die Wand gefahren. Aber dann wirkte der Stillstand nach innen, ganz langsam. Ich geriet in einen Zustand der Wunschlosigkeit, fast meditativ. Wohin zerren uns unsere Wünsche? Überallhin, nur nicht zu uns selbst. Eine Weile davon erlöst zu sein, hat mir gutgetan – und hat letztendlich eine...

Matias Oberlin

Als der Corona-Ausnahmezustand Mitte März 2020 Deutschland erfasste und wir das Ballettzentrum Hamburg schließen mussten, war es sehr schwer, der neuen Realität ins Auge zu sehen. Plötzlich gab es nur noch Online-Trainings, zu Hause. Keine Aufführungen. Es war hart, sich nicht mehr zu berühren und gemeinsam mit Kollegen tanzen zu dürfen. Von einem Tag auf den...

Großbritannien und Spanien 2021

Einen Länderreport soll ich schreiben, bittet die Redaktion, wo ich doch in England lebe und viel in Spanien bin. Ich sage mehrfach nein und dann doch ja. Dabei zeichnet sich diese Spielzeit dadurch aus, dass ich in England praktisch nonstop, in Spanien aber nur ein einziges Mal war, nämlich letzten Dezember, in Barcelona. Andersherum wäre länderreportmäßig besser...