Nir de Volff

Nir De Volff ist ein begnadeter Erzähler, ein Choreograf, den die Wahrheit treibt und der vor keinem Wahnwitz zurückschreckt. Nur eins kann er nicht: auf der Bühne die Klappe halten.

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«Im Alter von 13 Jahren wurde ich wie jeder jüdische Junge ein Bar-Mizwa. Bar-Mizwa ist das Ritual, in dem der Junge seine Reife zur Religion feiert und in die Gemeinschaft eintritt. In meinem Fall wurde das Ereignis nicht in einer Synagoge, sondern in einem kleinen Park zwischen zwei lauten Straßen gefeiert, mitten im Zentrum von Tel Aviv. Es gab jede Menge totes Grillfleisch, Fliegen summten, und ein kleines Radio spielte alte irakische Volksmusik.

Ein paar Hunde lauerten, gleich neben uns gab es öffentliche Toiletten, die russische Pros-tituierte belagerten, um dort ihren besten Kunden zu bedienen: einen 13-jährigen orthodoxen Jungen, dessen Vater dafür sorgte, dass er seine erste sexuelle Erfahrung macht, weil so was mit Frauen unserer Religion nicht geht.

Ich hatte Angst, irgendwelchen Klassenkameraden zu begegnen – und wollte auch nichts mit meiner irakischen Familie zu tun haben, weil ich an diesem Tag eine Rede halten sollte, um ihnen erklären zu müssen, wie ich mir meine Zukunft als männliches Mitglied ihrer Gemeinschaft vorstelle. Nun ist meine irakische Familie nicht nur sehr hungrig, sie hat mich auch zu keinem Rabbi geschickt, der mich auf diese Zeremonie hätte ...

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Tanz Februar 2009
Rubrik: Israel, Seite 50
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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