Nijinsky lebt

Tanz - Logo

Wären sie echt, dann wären sie eine echte Sensation: sekundenkurze Film-Clips des tanzenden Vaslav Nijinsky, circa 1912, entsprechend körnig, düster und verwaschen, für alle frei zugänglich auf YouTube. Unsere Autorin Annette von Wangenheim machte uns auf den Aufruhr im Netz aufmerksam. Sie nahm uns allerdings auch gleich die Hoffnung, dass hier tatsächlich einer einen Sensationsfund getätigt und liebevoll restauriert hätte, wonach Dutzende von Historikern und Tanzwissenschaftlern bislang vergeblich gegraben haben. Nijinsky, der berühmteste Tänzer aller Zeiten, auf Zelluloid.

Von Wangenheim, selbst Dokumentarfilmerin, erkannte: Was der französische Animationskünstler Christian Comte hier sehr missverständlich deklariert, ist bloß ein neuer Trickfilm aus alten Fotografien.

Derer gibt es viele. Vom Faun, von Petroushka, vom Goldenen Sklaven mit seiner Shéhérazade, vom Harlekin und vom Geist der Rose ... Patrizia Veroli erzählt ab Seite 10, wie Nijinsky durch sie und die kluge Marketingstrategie seines Impresarios Sergei Diaghilev erst zur Ikone der heraufdämmernden Tanzmoderne werden konnte. Und wie es kommt, dass 2009, ein volles Jahrhundert nach seinen legendären Auftritten bei den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2009
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
Weitere Beiträge
Johan Inger: «Position of Elsewhere»

Eine leere Bühne in monochronem Grau, darüber ein gewaltiger Kronleuchter. Das Licht fällt gerade herab, bildet scharf abgegrenzte Ringe auf dem Boden, die an die strikten Linien von Mondrian-Kostümen in der 1960ern erinnern. Die Tänzer erobern die Bühne in kleinen Gruppen, ihre Bewegungen sind synchronisiert, klassische Ballettpositionen sind angedeutet, doch...

Ivana Müller: «Playing Ensemble Again and Again»

Die Vorstellung muss grandios gewesen sein. Der Applaus donnert, nimmt kein Ende. Her mit den Performern, auf die Bühne und jetzt verbeugen. Erst die Arme hoch, dann die Köpfe runter, selbstgewisser Triumph und gefällige Devotion, große Arroganz und höfliche Anpassung. Die ewige Ambivalenz des Künstlers gegenüber seinem Publikum – das Ritual des Beifalls ist:...

Neumeier über Nijinsky

John Neumeier, Sie sind der Choreograf, der sich am längsten und intensivsten mit dem Werk von Vaslav Nijinsky befasst hat. Sie haben sogar die größte Nijinsky-Kollektion aufgebaut. Warum eigentlich?
Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum würde bedeuten, dass ich das absichtlich gemacht habe. Es ist auch nicht so, dass ich eines Tages die Ambition hatte, die...