Jenseits
Ein Event ist «X-Event 2.6» gerade nicht. Vielmehr sind Annie Vigier, Frank Apertet und Co. im urbanen Raum gelandet wie vom anderen Stern. Sichtbar fremd. Leicht zu erkennen an ihren postmodern abstrahierten Mickey-Mouse-T-Shirts, erscheinen die Performer gratis und draußen als sanfte Irritation im und um den Bétonsalon, einen neuen Ort für zeitgenössische Kunst im 13. Pariser Arrondissement. Was tun sie? Schlendern, abhängen, spontan kongregieren, die Grüppchen aber gleich wieder zerfallen lassen, scheinbar ohne Anlass. Ohne Eile.
Den Blick in die blaue Ferne des Nachmittags gerichtet. Oft nah dran, aber doch mehr neben als bei uns. Trotzdem: Aus Passanten werden Zeugen, ja unversehens Mitakteure. Die Klangkulisse erinnert an eine Waschmaschine im Schleudergang, hie und da gepierct von einem durchdringenden Bariton. Vier Stunden dauert die Aktion; sie könnte ewig weitergehen. Denn dies ist kein Spektakel, nichts Außergewöhnliches wird ausgestellt oder vorgeführt. Sondern Zeit ausgebreitet, die jeder so lange teilen darf, wie er selbst anhalten möchte. Der tanzenthusiastische Fotograf Jérôme Delatour hat das auch im Bild getan.
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Eins müsse er gleich klarstellen, beginnt Jérôme Bel seine neue Performance im Lilian Baylis Studio vom Sadler’s Wells in London: Was als «27 Performances» angekündigt wurde, habe nun einen anderen Titel «A Spectator», und die Vorstellung, so sei hiermit gewarnt, sei kein Tanz und könne gut und gern länger als die angekündigten 60 Minuten dauern. Er improvisiere...
Alle kreativen Köpfe definieren sich gern als universelle Allround-Künstler, damit sie selbstbestimmt aus einem Warenkorb der Künste wählen können – mal Paella, mal Salat, mal ein Steak. Oder eben wie einst der Mimos in der Antike – mal Schauspiel, mal Tanz, mal Gesang. Kann man nicht mit allem brillieren, ohne gleich als Da Vinci, das Universalgenie, zu gelten?...
je t’ A.I.M.E
Sie haben eine «Vereinigung von Individuen in engagierten Bewegungen» gegründet. Was macht sie genau?
Julie Nioche: A.I.M.E. soll nicht nur Werke für die Bühne kreieren, sondern auch pädagogische und medizinische Projekte betreiben, die Tanz beinhalten. Jeder von uns arbeitet selbstständig in seinem Bereich. Ich in der Kunst, Isabelle Ginot in Lehre...
