heidelberg: nanine linning «silver»

Tanz - Logo

Das Seil ist bis zum Zerreißen gespannt, und noch bevor die Vorstellung eigentlich begonnen hat, wird dem Zuschauer bewusst: Wer sich einmal ins Netz begeben hat, kommt nicht mehr frei. Immer wieder stemmt sich Paolo Amerio gegen die Verführung, minutenlang, während ihn Raumklänge von Michiel Jansen umgaukeln: eine vergleichsweise unspektakuläre, relativ statische Szene, die einen jedoch gut auf das Schreckensszenario einstimmt, das Nanine­ Linning mit «SILVER» anderthalb Stunden lang entwirft.

Denn ihre Zukunftsvisionen haben immer etwas Albtraumhaftes, zumal wenn sie sich assoziativ geben. Gleich zu Anfang bemächtigen sich Automaten eines Menschenbildes, das ganz offensichtlich dem der Choreografin gleicht. Wie sie selbst von blondem Haar umrahmt, hängt es zunächst maskenhaft an der Wand. Einmal übergestreift, verändert es nicht nur das Bewegungspotenzial der Androiden. In den anschließenden Szenen erschaffen sich diese Übermenschen Wesen, die ihnen zu Willen sind. Zunächst ist das ein einzelnes Menschenpaar, wie aus Ton geformt, das aufeinander losgelassen wird, ohne dass es sich wirklich berührt. Demi-Carlin Aarts und Endre Schumicky beschnuppern sich wie Tiere. Und anders als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2016
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
cinderella

Dank seiner auffallenden Choreografien für das Balletto di Toscana war Mauro Bigonzetti bereits Mitte der 1990er-Jahre zum Gesprächsthema der italienischen Tanzszene geworden. 1996 gelang ihm mit «Kazimir’s Colours» eine interessante Malewitsch-Hommage, eine der ersten Auftragsarbeiten, die Reid Anderson für das Stuttgarter Ballett vergab. Was den Rückschlag...

vorschau

im märz: die tanzplattform______
Zwölf zeitgenössische Tanzstücke aus deutscher Produktion hat die zwölfte «Tanzplattform Deutschland» von ihrer Jury ermitteln lassen. Zwölf Choreografien, die nicht alleine bleiben, weil im Rhein-Main-Gebiet diesmal zeitgleich ein Showing der regionalen Szene stattfindet. Der Gastgeber, das Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt,...

newcomer: sylvana seddig

«Schon im Bauch meiner Mutter musste ich Dehnübungen machen», sagt sie einmal aus dem Off in ihrem Solo «Tanzsylvanien». Die 30-jährige Tochter einer Tanzpädagogin führt da keine Spagate vor, sondern eine andere Form der Dehnung: vom kleinen Ich in die große Welt hinaus. Auf dem Boden schiebt sie müde Fingertentakel nach vorn, die der Monitor vergrößert. Er...