Newcomer: Carlos Zaspel

Nur mal angenommen, ein Stock, sagen wir, ein Knüppel, nur unwesentlich größer als man selber, sei einem der beste Freund. Es gibt Völker in den Bergen, für die es so ist. Eine Stange hilft, wenn es steil bergab geht, um sich an ihr mühelos ins Tal zu schwingen. Bergan lässt sie steile Anstiege rascher nehmen, als auf nur zwei Beinen. Carlos Zaspel tanzt auf drei Beinen. Eine Hand, meist zwei, halten den langen Stock und heben seinen Körper vom Boden in die Vertikale.

Nehmen wir an, dieser Knüppel sei kein bloßer Stock oder Stab, sondern ein Mensch, ein geliebter, eine Stütze im Leben, dann darf man ihm auch zubilligen, dass er – zumindest von alleine – nicht stehen kann, dass er stürzt, dass er den Bergwanderer so braucht, wie der Bergwanderer ihn. Ein Stock ohne Halt fällt um. Carlos Zaspel zieht ihm einen Mantel an, und ja: der Stock, der an seiner Schulter lehnt, sucht Trost und fällt, wenn man ihn loslässt. 

Viele Beziehungen sind von solcher Natur. Sie brauchen einander, und es gibt Krankheiten, die Depression etwa, da kann niemand von alleine stehen und braucht den anderen dringend. So ist vielleicht auch der wilde Berg wie eine Krankheit, in der man den Stock braucht, um ...

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Tanz November 2021
Rubrik: side-step, Seite 16
von Arnd Wesemann

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