Aufklärung

#MeToo – und dann? Heather Jurgensen, stellvertretende Direktorin des Ballett Kiel, berichtet über ein Clearingverfahren am eigenen Haus.

Heather Jurgensen, Sie waren Erste Solistin bei John Neumeier in Hamburg, haben zahlreiche Rollen kreiert und leiten seit 2011 das Ballett Kiel als stellvertretende Direktorin an der Seite Ihres Mannes Yaroslav Ivanenko. Im Mai ist ein Tänzer und Ballettmeister Ihrer Kompanie in London wegen sexueller Übergriffe verurteilt worden, die sich nach Überzeugung des Gerichts zwischen 2009 und 2016 beim English National Ballet und an einer Ballettschule abgespielt haben. Der Tänzer wurde umgehend freigestellt, für einen Clearingprozess hatten Sie bereits im Vorfeld gesorgt.

Wie haben Sie überhaupt von den Vorwürfen erfahren?
Im Frühjahr 2020, und zwar von dem Tänzer selbst. Er kam zu uns und hat uns über die Ermittlungen unterrichtet. Das war natürlich ein Schock. Wir haben dann gemeinsam mit ihm sofort die Generalintendanz informiert. Die Theaterleitung hat uns hervorragend unterstützt. Sie hat rechtlichen Rat eingeholt, das ganze Vorgehen war pragmatisch und vernünftig.

War das Haus grundsätzlich auf eine solche Situation vorbereitet?
Ja, es gab bereits eine Vorerfahrung, wobei jeder Fall natürlich anders liegt. Aber es gab für das Verfahren eine klare Regelung. Die Theaterleitung, der ...

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Tanz November 2021
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 54
von Dorion Weickmann

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