Newcomer
Poppy N heißt dieser sehr junge Tänzer, ein kleiner, nur etwa hüfthoch gebauter Kerl. Da steht er, beim «State Festival Berlin», inmitten von Akademikern, die sich mit Emotionsforschung und künstlicher Intelligenz beschäftigen. Sein Schöpfer Théo Segonds vom Institut für Computerwissenschaft INRIA in Bordeaux kennt ihn seit fünf Jahren. Die Intelligenz des Schützlings entspricht aber eher der eines Zweijährigen.
Laufen kann er schon. Bemuttert wird er in seiner ersten Performance «Poppy N+Z» von der taiwanesischen Tänzerin Bi-Jia Yang.
Sie schützt ihn mit einer goldenen Decke, die an lebensspendendes Protoplasma erinnern soll. Poppy N schmiegt sich an Yang, dann entwickelt er Neugier. Staunend verfolgt er den Vortrag des Philosophen Ludovic Duhem. Dann hebt er Arme und Beine, lässt mal seine Gliedmaßen, mal seinen ganzen Körper vibrieren und dreht sich um die eigene Achse. Ja, er tanzt. Aber die Rede des Philosophen interessiert ihn nicht. Er achtet vielmehr auf insgesamt vierzig Phoneme, die die Choreografin Emmanuelle Grangier und der Computerwissenschaftler Théo Segonds je einer bestimmten Bewegung zuordnen. Weil Duhem seine Rede improvisiert, muss Poppy N ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2017
Rubrik: Persönlich, Seite 32
von Tom Mustroph
Zum dritten Mal, und das ist eine kleine Sensation, wird ein Ausländer Ballettchef in Russland. Nach Marius Petipa und Nacho Duato darf nun der Franzose Laurent Hilaire ein großes russisches Ensemble leiten: das Ballett des Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheaters in Moskau, wo man eine Vorliebe für psychologisches Erzählen pflegt. Tänzer...
Raimund Hoghe scheint um sein Leben zu schwimmen. Dann am Strand zu liegen und den Wellen zu lauschen, die Arme eng am Körper. Guy Vandromme sitzt am Flügel und spielt «La Valse» von Maurice Ravel, die Pianoversion, so aufgewühlt, als wäre es der finale Sturmflut-Satz aus Claude Debussys «La Mer». Die Assoziation entsteht vor allem deshalb, weil bald klar...
Die meisten Leute lernen die Choreografien von Michael Jackson wahrscheinlich durch Abschauen bei YouTube. Und deshalb seitenverkehrt, also falsch herum. Den wenigsten fällt das auf. Christine Joy Alpuerto Ritter ist es aufgefallen. Auch sie hat Jacksons Moves als Kind von Clips gelernt. Und – das nur nebenbei – natürlich geweint, als er starb. Was Zuneigung...
