New York
Auf den ersten Blick ist der Slipper Room ein typischer Club des New Yorker Hipster- und
Bohème-Viertels Lower East Side. Es ist zehn Uhr am Samstagabend. Der niedrige, finstere Raum füllt sich langsam. Ein Dutzend durchgestylter Japaner drängt sich um die Bar, eine Gruppe von Lesben hat es sich in einer Ecke mit Plüsch-Sesseln bequem gemacht. Medien-, Design- und Kulturbetriebs-Typen stehen auf den abgewetzten Holzplanken und nuckeln an ihren Drinks, in der Ecke bereitet sich ein DJ auf seine Arbeit vor.
Als um kurz nach elf Uhr das Restlicht aus- und der Vorhang aufgeht, tritt nicht etwa eine Garagenband aus Brooklyn auf die Bühne, von der aus ein kurzer Laufsteg ins nun dicht gedrängte Publikum führt. Heraus kommt Seth Herzog, genannt «The Zog», der sich zur Titelmelodie der 1970er-Kult-serie «Wonder Woman» seines Adidas-Seidentrainingsanzugs entledigt, unter dem das hautenge Kostüm der Super-Amazone zum Vorschein kommt. Es ist der Auftakt zu einer langen Nacht der erotischen Pastiche, in deren Verlauf der «Zog» Dutzende der elaboriertesten Strip-Nummern präsentiert: Feder-Boas, Corsagen, Glitter, falsche Augenbrauen, Fransen-Röckchen und Nippel-Pasties sind die Grundaustattung – ...
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«Gespenster müssen sich auch mal setzen», findet Nazareth Panadero und klopft einladend neben sich auf die Sitzfläche eines Stuhls. Mit zwei Gläsern in der Hand wendet sie sich verschwörerisch an das Publikum: «Bei Vollmond wird man nicht besoffen.» Aus rauer Kehle, fast verächtlich, stößt sie das Wort «besoffen» hervor. In «Vollmond» gibt die Spanierin, wie in so...
Über das Lebensende hinaus hält der Mensch noch an seiner ihm liebsten Schwäche fest: an der Selbsttäuschung, er sei unersetzbar. Mit «Final Fiction» ist Jan Pusch ein großer Tanzessay gelungen. Im zweiten Jahr als Choreographer in residence bei der Nordwest Tanzcompagnie Oldenburg brachte er dieses intime Stück in der Alten Exerzierhalle heraus.
Der Anfang...
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