Warten auf Pina
Josephine Ann Endicott ist die Frau mit dem Nilpferd. Die Anna II aus «Sieben Todsünden», die Liebende, die ihren Mann anfleht, «Komm tanz mit mir». Seit 1973 ist sie unabdingbarer Teil von Pina Bauschs Tanztheater. Startänzerin, persönliche Assistentin, Repertoire-Dozentin, seit Kurzem Archivarin – gelegentlich «Nestbeschmutzerin». Schon einmal hat Jo Ann Endicott am Mythos Bausch gerüttelt, hat in ihrem ersten Buch «Ich bin eine anständige Frau» über Verletzungen geschrieben, die die Zusammenarbeit mit der Ikone mit sich bringt.
Seitdem ist ihr Leben davon beherrscht: «Warten auf Pina», so der Titel von Endicotts autobiografischer Fortschreibung. Sie liebt sie. Hasst sie. Ihr Schreiben ist der Versuch, die Sphinx von Wuppertal zu enträtseln («Trinkt dünnen Kaffee. Nie habe ich sie schwitzen sehen.»).
Vergeblich. Selbsttherapie für die Hartnäckigste unter den Bausch-Protago-nistinnen, voller Unterhaltungswert. Schnoddrige Sprache, naiv anmutende Offenherzigkeit, extrem, zugleich ambivalent in ihren Gefühlen. «Mich kann man anfassen», schreibt sie und bietet Speckröllchen-Analysen und Altershys-terie («zu viel Haut für meinen Körper»). Kein Glamour keimt zwischen Familienkrise, ...
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