Nah am Menschen
Der Eindruck trügt. Der Mann, der im Balletthaus in Düsseldorf die acht Tänzerinnen und Tänzer dirigiert, arbeitet mit großer Ruhe. Ganz entspannt bittet er sie, die ganze Sequenz einmal durchzutanzen. Schon gleitet die kleine Gruppe auf Socken mit originell abgewinkelten Beinen über den Boden. Der Choreograf dagegen, der mir später gegenübersitzt, ist ein quirliger Spanier, aus dem die Worte nur so heraussprudeln. «I like to talk a lot», wird Juanjo Arqués nach dem Gespräch fast entschuldigend sagen.
Bis dahin erzählt er in der Tat sehr viel, während sein Körper auf dem Stuhl immer in Bewegung ist und seine dunklen Augen glänzen.
Juanjo Arqués’ Home Base ist Amsterdam, wo er nach einer glänzenden Karriere als Tänzer bei Het Nationale Ballet seit 2017 als Young Creative Associate engagiert ist. Gleichzeitig ist der 43-Jährige aus Murcia im Südosten Spaniens weltweit als Freelancer gut im Geschäft. Er ist so gefragt, dass er ständig – beim Übertreten der Ländergrenzen – auf Corona getestet wird. Und auf Anhieb gar nicht weiß, wo derzeit auf dem Globus gerade Arbeiten von ihm aufgeführt werden. Immerhin: In Dortmund ist er beim Programm «Fordlandia» vertreten (siehe Seite 30), ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Side Step, Seite 22
von Bettina Trouwborst
CD des Monats: Tausendundeine Nacht
Michelle Kwan wird schon wissen, warum sie für ihr Skating-Programm «Taj Mahal» Musik von Fikret Amirov (1922 – 1984) verwendet hat: Die lässt niemanden kalt, und das kann auch beim Eiskunstlauf nicht schaden. «Tausendundeine Nacht» hat der Aserbaidschane 1979 natürlich nicht auf die Kufen der mehrfachen Weltmeisterin komponiert,...
Er war lange Jahre Tänzer, zuletzt in Nordhausen bei Jutta Ebnother. András Dobi hat die Bühne längst verlassen und ist nun in den Schnürboden umgezogen. Dort oben, neben den Lampen und Kulissen, diesmal im Theater von Schwerin, hat der Absolvent der Ungarischen Tanzakademie seine Kamera installiert und seinen noch aktiven Kollegen zugeschaut, getrieben von einer...
Ann-Elisabeth Wolff, vor 30 Jahren, kaum war die Mauer gefallen, wird ein Festival für europäisches Theater gegründet. Was war passiert? Von Leipzig ging die Revolution aus. Von einer weltoffenen Stadt, anders als das in sich selbst ruhende Dresden, das kein Geld für ausländische Künstler ausgeben wollte. Ich war Musikwissenschaftlerin, hatte 14 Jahre als Lektorin...
