Nah am Menschen

Der Choreograf Juanjo Arqués hat sehr klare Vorstellungen von der Beschaffenheit seiner Kunst. In Düsseldorf, Dortmund und Amsterdam liefert er gerade seine Visitenkarten ab.

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Der Eindruck trügt. Der Mann, der im Balletthaus in Düsseldorf die acht Tänzerinnen und Tänzer dirigiert, arbeitet mit großer Ruhe. Ganz entspannt bittet er sie, die ganze Sequenz einmal durchzutanzen. Schon gleitet die kleine Gruppe auf Socken mit originell abgewinkelten Beinen über den Boden. Der Choreograf dagegen, der mir später gegenübersitzt, ist ein quirliger Spanier, aus dem die Worte nur so heraussprudeln. «I like to talk a lot», wird Juanjo Arqués nach dem Gespräch fast entschuldigend sagen.

Bis dahin erzählt er in der Tat sehr viel, während sein Körper auf dem Stuhl immer in Bewegung ist und seine dunklen Augen glänzen.

 

Juanjo Arqués’ Home Base ist Amsterdam, wo er nach einer glänzenden Karriere als Tänzer bei Het Nationale Ballet seit 2017 als Young Creative Associate engagiert ist. Gleichzeitig ist der 43-Jährige aus Murcia im Südosten Spaniens weltweit als Freelancer gut im Geschäft. Er ist so gefragt, dass er ständig – beim Übertreten der Ländergrenzen – auf Corona getestet wird. Und auf Anhieb gar nicht weiß, wo derzeit auf dem Globus gerade Arbeiten von ihm aufgeführt werden. Immerhin: In Dortmund ist er beim Programm «Fordlandia» vertreten (siehe Seite 30), ...

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Tanz November 2020
Rubrik: Side Step, Seite 22
von Bettina Trouwborst

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