Im Krebsgang

Wie der Berliner Choreograf Christoph Winkler seinen Tumor in Kunst verwandelt.

Wir treffen uns am Berliner Ostkreuz. Ganz in der Nähe lebt Christoph Winkler, mit Pflegetochter und seiner Freundin, der Tänzerin Zufit Simon, und ihren gemeinsamen Söhnen Noam und Ilay. Sie wohnen in einem der zahllosen Neubauten mit Blick aufs Wasser an der Rummelsburger Bucht, dem ehemaligen Zollhafen der DDR: auf einer abgerissenen Flaschenfabrik vor einem ehemaligen Palmöllager. Damals eine Kloake, beherbergt das Quartier am Spreeufer heute Tausende von Wohnungen, deren Fenster hinausgehen auf ankernde Jachten, Grillboote und Ausflugsdampfer.

Ganz in der Nähe hat Winkler ein geräumiges Studio im ersten Stock am alten Hafengelände. Hier probt er gerade sein nächstes Stück, «It’s All Forgotten Now», über den britischen Pop-Philosophen Mark Fisher. Seine 65. Produktion als freischaffender Choreograf. Fein säuberlich dokumentiert seine Website die anderen 64 Produktionen aus den letzten 22 Jahren, alle äußerst nah an den pop-politischen Diskursen der Zeit, etwa von den Gogo-Tänzen 2006 über Urheberrechtsfragen («Dance! Copy! Right?», 2012) bis hin zu den postkolonialen Problemen in Uganda («A Hey A Ma Ma Ma!», 2019) – ein Fleißmeister, der wie alle großen Künstler in die Zukunft ...

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Tanz November 2020
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Arnd Wesemann

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