Gute Frage
Es war einmal vor langer, langer Zeit, da hieß die Losung: Tod dem Genie! Das Wunderkind, das in einer schützenden Blase zu Weltruhm gelangt: alles nur ein Märchen. Wahre Kunst setzt zwar Talent voraus, aber sie benötigt noch etwas anderes: kooperatives Verhalten. Kein Genie vermag gegenüber all den Moden und wechselnden Anforderungen allein zu bestehen. Schon in der Schulzeit hieß das Wort dafür: Kooperation, nicht aus der Reihe tanzen, zusammenbleiben, um sich gemeinsam einem größeren Ziel zu unterwerfen.
Etwa dem, dass es dem Tanz mal besser gehen solle, damit er nicht länger nur drittes Rad am Wagen sei. Also hat der Tanz früh Kooperativen entwickelt, so, wie man sie aus der Landwirtschaft kennt. Da trägt zwar jede und jeder Verantwortung für das eigene Land. Die Mittel jedoch, um das Land zu bestellen, zu ernten und die Produkte zu vermarkten, werden kooperativ organisiert. Viele Tanzhäuser in Europa schrieben sich genau dieses Ideal auf die eigene Fahne. Die Kunst, hieß es, liege allein in der Verantwortung der Kunstschaffenden (und nicht bei einer Intendanz). Die Trainings- und Probenräume dagegen, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, selbst die Duschen, sie gehören ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Kooperationen, Seite 38
von Arnd Wesemann
Ihr erster und ihr letzter Auftritt fanden auf der Bühne des Mariinsky-Theaters statt, das damals im Kalten Krieg und im nachfolgenden Tauwetter noch Kirov hieß. Dazwischen hatte sich Natalia Makarova – 1970 im Westen geblieben – eine Karriere als internationaler Gaststar, etwa beim American Ballet Theatre und beim Royal Ballet, aufgebaut und endlich mit modernen...
Der Eindruck trügt. Der Mann, der im Balletthaus in Düsseldorf die acht Tänzerinnen und Tänzer dirigiert, arbeitet mit großer Ruhe. Ganz entspannt bittet er sie, die ganze Sequenz einmal durchzutanzen. Schon gleitet die kleine Gruppe auf Socken mit originell abgewinkelten Beinen über den Boden. Der Choreograf dagegen, der mir später gegenübersitzt, ist ein...
Die erste Welle ist an Land geprallt, die zweite folgt sogleich. Wenn die erste Welle zurück ins Meer spült, bäumt sich die zweite über der ersten auf und bricht. An der Küste nennt man solche Wellen Brandung. Der physikalische Ablauf hat damit zu tun, dass die Länge der Welle deutlich größer ist als die Wassertiefe. Wer dabei ans aktuelle Infektionsgeschehen...
