Gute Frage
Es war einmal vor langer, langer Zeit, da hieß die Losung: Tod dem Genie! Das Wunderkind, das in einer schützenden Blase zu Weltruhm gelangt: alles nur ein Märchen. Wahre Kunst setzt zwar Talent voraus, aber sie benötigt noch etwas anderes: kooperatives Verhalten. Kein Genie vermag gegenüber all den Moden und wechselnden Anforderungen allein zu bestehen. Schon in der Schulzeit hieß das Wort dafür: Kooperation, nicht aus der Reihe tanzen, zusammenbleiben, um sich gemeinsam einem größeren Ziel zu unterwerfen.
Etwa dem, dass es dem Tanz mal besser gehen solle, damit er nicht länger nur drittes Rad am Wagen sei. Also hat der Tanz früh Kooperativen entwickelt, so, wie man sie aus der Landwirtschaft kennt. Da trägt zwar jede und jeder Verantwortung für das eigene Land. Die Mittel jedoch, um das Land zu bestellen, zu ernten und die Produkte zu vermarkten, werden kooperativ organisiert. Viele Tanzhäuser in Europa schrieben sich genau dieses Ideal auf die eigene Fahne. Die Kunst, hieß es, liege allein in der Verantwortung der Kunstschaffenden (und nicht bei einer Intendanz). Die Trainings- und Probenräume dagegen, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, selbst die Duschen, sie gehören ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Kooperationen, Seite 38
von Arnd Wesemann
Anne Teresa De Keersmaeker hat schon viele Kunsträume betanzt, so etwa das New Yorker MoMa, die Londoner Tate Modern Gallery, das Pariser Centre Pompidou. Aber zum ersten Mal hat die belgische Tanzikone eine Choreografie eigens für ein Museum geschaffen: «Dark Red» für das Kolumba in Köln. Es war das Auftaktkapitel einer Kooperation zwischen tanz.köln –...
Ann-Elisabeth Wolff, vor 30 Jahren, kaum war die Mauer gefallen, wird ein Festival für europäisches Theater gegründet. Was war passiert? Von Leipzig ging die Revolution aus. Von einer weltoffenen Stadt, anders als das in sich selbst ruhende Dresden, das kein Geld für ausländische Künstler ausgeben wollte. Ich war Musikwissenschaftlerin, hatte 14 Jahre als Lektorin...
Er war lange Jahre Tänzer, zuletzt in Nordhausen bei Jutta Ebnother. András Dobi hat die Bühne längst verlassen und ist nun in den Schnürboden umgezogen. Dort oben, neben den Lampen und Kulissen, diesmal im Theater von Schwerin, hat der Absolvent der Ungarischen Tanzakademie seine Kamera installiert und seinen noch aktiven Kollegen zugeschaut, getrieben von einer...
