münster: hans henning paar «homo sacer/sacre»
Igor Strawinsky wäre sicher pikiert: Das Sinfonieorchester Münster donnert seine Komposition «Le Sacre du printemps» nur so aus dem Graben – und auf der Bühne benimmt sich die elegante Partygesellschaft völlig daneben. Nur die bloßen Füße erinnern noch an das archaische Urstück. Zu den zeitgenössischen Versionen des Jahrhundertwerks steuert der Münsteraner Tanzchef Hans Henning Paar einen recht beschwipsten Strawinsky bei – einen, der in den Abgrund taumelt.
Mit dem neuen Doppelabend «Homo sacer/Sacre» will Paar die Licht- und Schattenseiten der menschlichen Existenz ergründen. Fürs Dunkle eignet sich Strawinskys moderner Klassiker bestens.
Zunächst ist weder eine «Auserwählte» auszumachen, noch kündigt sich ein Ritualmord an. Das Opfer erschließt sich erst zu guter Letzt: Mutter Erde. «Wir stecken mitten in einer globalen Krise, die viele Gesichter hat: Bürgerkriege und militärische Interventionen, Überwachung und Terror, Ressourcenausbeutung, Hunger, Klimawandel und Naturkatastrophen», zitiert das Programmheft Paar. Angesichts menschengemachter Katastrophen scheine das Ende der Welt mal wieder bedrohlich nah. So knüpft er an die Uraufführung von 1913 an, bevor das Werk zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2016
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Bettina Trouwborst
Auf den Boden der Tatsachen zurückkehren! Das sagt man, um Luftschlössern den Stöpsel zu ziehen. Im Tanz ist der Boden selber Tatsache, er wird auch für Choreografien immer mal wieder gelüpft, gerollt, geflutet. Dieser hier beißt ins Auge: Muster mit Schnörkeln, ein Kachelimitat aus Kunststoff von der Rolle aus dem Baumarkt. Doch der Tanz beschäftigt die...
Noch ist der «Mann» mit sich allein. Er dreht und wendet sich. Taucht ein in Shakespeares Sprache, die nur in Splittern erkennbar wird und deshalb etwas Albtraumhaftes hat. Eine fixe Idee. Er kommt von ihr nicht mehr frei, und irgendwann konkretisiert sich seine psychische Projektion auch in einer leibhaftigen Gestalt: die Frau im dunklen Anzug, verkörpert von...
Neunzig Quadratmeter feinstes, jungfräulich weißes Papier, wie ein Tanzteppich auf dem Boden ausgerollt. Schon nehmen die Schwänchen Aufstellung, reihen sich zum ikonischen Pas de quatre aus dem «Schwanensee». Ihre Spitzenschuhe pikieren den Untergrund, die Sohlen senken und heben sich synchron, der Abstand zwischen seitlich geneigter Wange und Schulter scheint mit...
