nürnberg: goyo montero «latent»
Noch ist der «Mann» mit sich allein. Er dreht und wendet sich. Taucht ein in Shakespeares Sprache, die nur in Splittern erkennbar wird und deshalb etwas Albtraumhaftes hat. Eine fixe Idee. Er kommt von ihr nicht mehr frei, und irgendwann konkretisiert sich seine psychische Projektion auch in einer leibhaftigen Gestalt: die Frau im dunklen Anzug, verkörpert von Sayaka Kado.
Der Ausgangspunkt für «Latent» ist, man merkt das an der Personenkonstellation, durch die Musik – Hector Berlioz‘ «Symphonie fantastique» − vorgegeben: Spiegel der Obsession des Komponisten für Harriet Smithson, eine der Shakespeare-Interpretinnen ihrer Zeit. Uwe Scholz hat diese Besessenheit einst in seiner «Symphonie fantastique» thematisiert, ein «Meisterstück», wie Nürnbergs Ballettdirektor Goyo Montero im Programmheft sagt – ihm unvergessen, weil es eins der ersten Werke gewesen ist, die ihn als Tänzer gefordert haben. Seither «lebt» er mit dieser Musik und dem Gedanken, dazu etwas zu choreografieren. Nicht zuletzt um von dieser Idée fixe loszukommen, legt er sie seinem ersten sinfonischen Ballett zugrunde und macht sie zugleich zu einem Seismografen, dessen Bewegungen er auf seine Weise nachgezeichnet hat.
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Tanz März 2016
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Hartmut Regitz
Die Lebensgeschichte von Juan Manuel Fernández Montoya, genannt Farruquito, ist geprägt von Glanz und Tragödie, von kometenhaftem Aufstieg und tiefem Fall. Sie ist Teil der Geschichte einer der bedeutendsten Flamencodynastien der Gitanos. Geboren wurde er 1982 in Sevilla als Enkel des legendären Patriarchen Antonio Montoya Flores «Farruco», Schöpfer eines...
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