Foto: Oliver Berg
Münster: Hans Henning Paar «Circ...us»
Der Clown des Großvaters war der tolldreiste Anarchist (man denke an Keaton oder Chaplin). Auch der Clown des Vaters, wie der letztes Jahr verstorbene Clown Dimitri, hat der Figur noch ein Lachen entlockt (tanz 10/16). Der Clown der Kinder heute aber ist böse, so böse, dass ein Würzburger Gericht zwei Horror-Clowns unlängst wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt hat. Der Clown ist die Schreckfigur der Stunde. Vielleicht deshalb versetzte die Münsteraner Premiere von «Circ...us» das Publikum bereits in Panik, als «freie Platzwahl» erlaubt wurde.
Die Suche nach dem besten Sitz war für viele schon fast zu viel. Als dann noch zwölf Tänzer mit künstlichen Wulstlippen, durchsichtigen Plastikmasken samt aufgemaltem Clownsmund oder medusenhaft vier Köpfe tragend über die ovale Arena rauschen – eine Leistung des Bühnenbildners Bernhard Niechotz –, hatten diese Art von Clowns jeden Rest von Sympathie gleich am Anfang verspielt. Da konnte Hauschoreograf Hans Henning Paar zum Schluss noch so sehr versöhnen wollen mit einem Eisbär als bedauernswertem Biest, es war klar: Der maskierte, verhüllte Clown, auch wenn es ihn immer schon gab, ist ein teuflischer Gesell, der dann auch noch ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Arnd Wesemann
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