München: Jan Martens, Marc Vanrunxt «Lostmovements»
Jan Martens beginnt sein Solo «lostmovements», das er in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Marc Vanrunxt kreiert hat, mit einer Aufzählung von Choreografennamen. Sein feierlicher Ton verrät, dass sie ihm viel bedeuten. Enden lässt er das Stück mit einer ebenso langen Aufzählung von Namen homosexueller Künstlerinnen und Künstler. Auf diese Weise bekräftigt Martens erstmals ausdrücklich, dass er diesen Aspekt seines Lebens und seiner Arbeit in den Mittelpunkt einer Performance rücken will.
Tatsächlich markiert dieses Solo einen bemerkenswerten Punkt in Martens’ Laufbahn. Bestachen frühere Kreationen wie «The Dog Days Are Over» oder «Rule of Three» durch frenetische Wiederholungspraktiken, lernen wir hier eine gänzlich andere, geradezu expressionistische Facette des Choreografen kennen: Zu den Klängen von Krzysztof Pendereckis «Polnischem Requiem» gibt er sich einer leidenschaftlichen, wilden Körpersprache hin, die unmissverständlich von Seelenqual kündet. Er durchpflügt die Luft mit den Armen, krümmt sich und streckt den gesamten Körper in alle erdenklichen Richtungen wie ein Wahnsinniger. Seine gequälten Blicke lassen nicht den geringsten Zweifel aufkommen: Hier ringt ein Tänzer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2020
Rubrik: Kritik, Seite 28
von Pieter T‘Jonck
Auch Europas größtes Tanzfestival «ImPulsTanz» zeigt sich in dieser Saison unfreiwillig verkleinert – aber trotzdem erfinderisch: Die Reihe «Public Moves» macht bereits in der vierten Runde aller Welt Beine und bespielt vom Arkadenhof des Wiener Rathauses bis zur Papstwiese im Donaupark lauter a ttraktive Schauplätze. Bis zum 30. August kann man sich mehrmals...
Autobiografie: André Doutreval
«Was? Sie heißen Adolf Bruno Preglej?» So die Büroangestellte, als der junge Tänzer 1959 in Wien seine Mitgliedschaft beim Österreichischen Gewerkschaftsbund beantragt. «Also, das geht einfach nicht für einen Künstler, so kurz nach dem Krieg!» André Doutreval klang besser. Unter diesem Namen machte der Sohn eines Autolackierers auch...
Die Bibliothek im vierten Stock des Hamburger Ballettzentrums ist eine Insel der Ruhe inmitten umtriebiger Geschäftigkeit. Das denkmalgeschützte Gebäude im Stadtteil Hamm beherbergt nicht nur John Neumeiers Hamburg Ballett, sondern auch 181 Schüler und Schülerinnen aus aller Welt, die von hier aus in die Bühnenlaufbahn starten wollen. Seit 2013 hat Neumeiers...
