München: E. Ómarsdóttir, H. Ólafsdóttir «Romeo und Julia»

Tanz - Logo

Das kann ja heiter werden. Bevor die Vorstellung richtig beginnt, treten die zwanzig Tänzer und Tänzerinnen vor den Vorhang und stellen der Reihe nach ihre persönliche Beziehung nicht nur zu dieser «Romeo und Julia»-Produktion her. Noch scheinen alle nackt; die fleischfarbenen Bodys lassen allerdings manchen Muskel, aber auch Geschlechtsteile monströs hervortreten. Da lacht das Publikum.

Und es lacht noch mehr, als sich der eine als das «Gift» zu erkennen gibt, an dem Julia sterben wird, und der andere als die «Kirche», um gleich hinzuzufügen: «Nein, nicht die Institution; das Gebäude». Spätestens als einer im Gärtnerplatztheater bekennt: «Wir sind doch alle Romeo und Julia», wird einem klar: Eine «normale» Ballettaufführung wird das hier sicher nicht. Die wird auch niemand erwarten von Erna Omársdóttir, die daheim in Reykjavík die Iceland Dance Company leitet und u. a. mit Björk zusammengearbeitet hat.

Die Bühne bleibt denn auch leer bis auf einen goldenen Schleier, der sich erst von ein paar Treppenstufen hebt, um später wie ein Leichentuch alles unter sich zu begraben. Es dauert seine Zeit, bis Serge Prokofjew den Ton angibt und sich das gesamte Ensemble in eine Choreografie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 40
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Katharine Sehnert 2019

Die Energie der Tänzerin Katharine Sehnert verblüfft. Wir sitzen in ihrer Kölner Wohnung, umgeben von Aktenordnern mit Zeitungsartikeln, Kritiken, Programmheften und Fotos. Vergangenes wird wieder lebendig. Es wird viel gelacht. Ab und zu springt Sehnert von ihrem Stuhl auf, zeigt eine Schrittkombination, demonstriert eine typische Wigman-Geste und macht...

Zwickau: Annett Göhre «Arbeiten! Rausch! Gehirn zerschmettern!»

Max Pechstein, bedeutender Vertreter des Expressionismus, wurde 1881 in Zwickau geboren, er starb 1955 in Berlin. Die Kunstsammlungen der Stadt Zwickau verfügen über die größte Sammlung seiner Werke. Wie für viele Künstler des Expressionismus waren auch für ihn die Aufbrüche der Tanzmoderne und die überschäumende Wildheit des frühen Jazz wichtig. Unter dem Titel...

Diana Vishneva

Diana Vishneva ist ein VIP des klassischen Tanzes. 1976 in Sankt Petersburg geboren, hat sie die Waganowa-Akademie absolviert und eine sagenhafte Karriere gemacht: Paraderollen am Mariinsky, dem sie bis heute angehört, und in Moskau, Gastauftritte bei den prestigeträchtigsten Kompanien der Welt von Berlin über Mailand und Paris bis Tokio. Von 2005 bis 2017 war sie...